Heimische Tiere im Garten überwintern lassen

Vogelhaus

Kahle Zweige und keine strahlende Blüte in Sicht; der Winter lässt unseren Garten trist und unbelebt erscheinen. Doch aufgepasst, denn die Natur ist voller Leben. Hecken, Tümpel, Laubhaufen und Co. werden von Nützlingen als Hotel zur Überwinterung genutzt. Sogar im Gartenhaus tummeln sich die Schmetterlinge, um sich vor dem Frühling auszuruhen. Mit unseren Tipps helfen Sie Igeln, Fröschen und Rotkehlchen in Ihrem Garten die kalte Jahreszeit zu überstehen. Denn wer Nützlinge bei sich überwintern lässt, profitiert im Frühling von den natürlichen Schädlingsbekämpfern.

Natur statt Perfektion

Das Gras getrimmt, die Hecke akkurat geschnitten und bloß kein Laub im Garten. Zwar sieht die penibel gepflegte Grünfläche auch im Winter ansehnlich aus, jedoch sorgt fehlender Wildwuchs dafür, dass Igel und Co. sich nicht in Ihren Garten verirren.

Laub-Blätter im Herbst

Laub-Blätter im Herbst. böhringer friedrich [CC-BY-SA-2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], via Wikimedia Commons

Wenn Sie Nützlingen ein Winterquartier zur Verfügung stellen möchten, sollten Sie den Garten so natürlich wie möglich lassen, denn:

  • Schmetterlinge, Wildbienen und Spinnen überwintern vorzugsweise in hohlen Stängeln von Pflanzen
  • Igel, Kröten, Siebenschläfer oder Wildhamster machen es sich im Winter gerne unter Laub- und Reisighaufen gemütlich
  • Eidechsen und Salamander halten sich im Winter gerne in unverfugten Mauern oder in Erdlöchern auf

 

Wenn Sie trotzdem Ordnung im Garten schaffen möchten, sind dafür der Herbst und Frühling die richtige Zeit. Trimmen Sie Hecken und Sträucher so wenig wie möglich und entfernen Sie nur Pflanzenteile, die krank sind.

Finger weg von Laubbläsern

Setzen Sie keine Laubsauger ein, denn diese können schlimmstenfalls auch Tiere einsaugen. Ähnlich schädlich sind auch Laubbläser, denn nicht nur das Laub wird weggeblasen, sondern auch der Boden geschädigt. Folge: Die Nährstoffversorgung der Erde wird verschlechtert und der Boden trocknet schneller aus. Dadurch verlieren Würmer, Kleinsäuger und Insekten an Nahrung. Transportieren Sie das störende Laub lieber in eine ruhige Ecke des Gartens und schaffen Sie dort mit Holz und Zweigen ein Winterquartier für Tiere.

 

Darum sind Nützlinge so wichtig für den Garten

Aber warum ist es eigentlich sinnvoll seinen Garten heimischen Tieren im Winter zur Verfügung zu stellen? Ganz einfach: Igel, Marienkäfer und Co. helfen, Ihren Garten frei von Schädlingen zu halten und Wildbienen, Hummeln oder Schmetterlinge bestäuben fleißig Blüten.

Fleißige Hummel

Fleißige Hummel. Jon Sullivan/wikimedia.org

Damit die Nutztiere schon vor Wintereinbruch Ihren Garten bevölkern und auch noch nach der Überwinterung da bleiben, ist es wichtig, dass Sie

  • heimische Pflanzen anbauen: Insekten und Tiere sind eher an sie gewöhnt als an die Exoten und finden hier Nahrung. So ernährt der heimische Wacholder rund 40 Vogelarten, der Chinesische jedoch nur eine.
  • nur Zierpflanzen kaufen, deren Blüten ungefüllt und nektarreich sind, so dass Insekten leicht Nektar sammeln können. Viele gezüchtete Zierpflanzen, wie zum Beispiel die Edelrose, verfügen dagegen überhaupt nicht über Nektar oder Pollen und sind so für Insekten uninteressant.
  • Pflanzen mit Blättern aussuchen, die Schmetterlingsraupen Nahrung bieten. Das sind vor allem einfache heimische Sträucher wie Brennnesseln.
Holzhaufen aus Brennholz

Holzhaufen aus Brennholz.. Oxfordian Kissuth [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

  • einen Totholz- oder Steinhaufen errichten. Dieser bietet vielen Käferarten, Insekten oder auch Erdkröten Unterschlupf.
  • eine Trockenmauer bauen. In den Hohlräumen der Mauer fühlen sich Eidechsen, Hummeln und Co. wohl.

(Quelle)

 

 Igel: Laubhaufen als Winterquartier

Junger Braunbrustigel

Junger Braunbrustigel. Michael Gäbler / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons

Wer einen Igel als Gartenbewohner für sich gewinnen kann, darf sich glücklich schätzen, denn die Schnecke steht auf dem Speiseplan der stacheligen Säugetiere. Ab Anfang November sind Igel auf der Suche nach Quartieren zum Überwintern. Als Ort zur Überwinterung bieten sich an:

  • Reisig- oder Laubhaufen
  • Kompost
  • Hecken
  • Baumstümpfe
  • Gartenhäuschen
  • Igelhaus

Igelhaus selber bauen

Sollten Sie in Ihrem Garten nicht genug Reisig, Laub oder andere passende natürliche Unterkünfte haben, können Sie im Fachhandel ein Igelhaus erwerben oder dieses selber bauen. Relativ einfach ist es, ein Ziegelsteinhäuschen selber zu errichten.

  • Stapeln Sie die Ziegelsteine versetzt so übereinander, dass ein Quadrat oder Rechteck entsteht, dessen Wände 25 Zentimeter hoch sind
  • Der Innenraum sollte die Maße 20 mal 30 Zentimeter betragen
  • Damit der Igel problemlos in sein Haus kommen kann, muss an einer Seite ein Durchgang frei gelassen werden (10 mal 10 Zentimeter)
  • Füllen Sie den Innenraum mit Stroh
  • Für das Dach können Sie ein Holzbrett nutzen, das imprägniert sein sollte
  • Verteilen Sie Erde und Gras über das Haus, das schützt vor Frost

(Quelle)

Die Igelhäuser müssen einmal im Jahr, nach der Winterruhe, gereinigt und mit neuem Nistmaterial befüllt werden.

Igel im Gartenhaus überwintern lassen

Sollte sich der Igel in Ihrem Gartenhaus einquartiert haben, können sie es dem Nützling mit einem Karton bequemer machen. Einfach einen großen geschlossenen Karton hernehmen, auf der einen Seite ein Loch hineinschneiden und Stroh oder Laub hineinstopfen. Damit kein Frost von unten in das Häuschen dringt, stellen Sie es auf Zeitungen oder eine Holzplatte.

Igel

Gibe [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons

Aufgepasst! Da sich Igel schon im Spätherbst in ihrem Winterquartier niederlassen, sollten Laubhafen dann idealerweise nicht mehr „aufgeräumt“ werden. Wollen Sie dennoch den Reisig- oder Laubhaufen abbrennen, setzen sie ihn vorher um, um sicher zu gehen, dass sich keine Igel oder andere Tiere in ihm befinden. Sehen Sie auch davon ab, einen Laubsauger zu benutzen, denn dieser kann die Nützlinge verletzen oder töten.

Tipp: Wenn Sie im Spätherbst noch Igel in ihrem Garten herumlaufen sehen, die wenig wiegen (unter 500 Gramm), dann können Sie diesen Katzen-, Hunde- oder Igeltrockenfutter hinstellen. So erreichen die Jungtiere schneller das benötigte Gewicht für die Winterruhe. Geben Sie den Igeln jedoch niemals Milch, denn das macht sie krank.

 

Vögel: Nistkästen und Futtersilos

Vogelhaus

Vogelhaus im Winter. SPBer [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Vögel bringen nicht nur Leben in den Garten, sondern vertilgen auch Schädlinge. Deshalb ist es ratsam, den daheimgebliebenen Nützlingen auch im Winter ein schönes Zuhause im Garten zu schaffen. Das geht zum einen mit dem Aufhängen von Nistkästen. Die Kästen werden ihrer eigentlichen Bestimmung nach zwar erst im Frühjahr gebraucht, jedoch bieten Sie den Vögeln bei Schnee und Minusgraden Schutz. Wichtig ist auch das richtige Füttern:

  • Weichfutterfresser wie Meisen oder Amseln benötigen Obst, Kleie, Rosinen, Meisenknödel oder Haferflocken.
  • Körnerfresser wie Finken oder Sperlinge ernähren sich am besten von Körnermischungen.
  • Ein gutes Basisfutter, das von fast allen Vögeln gefressen wird, sind Sonnenblumenkerne.
  • Platzieren Sie das Futter in passende Futtersilos, die vor Wind und Wasser geschützt sind und in denen die Vögel nicht herumlaufen können. So wird das Futter nicht von den  Tieren verschmutzt.
  • Bringen Sie Futtersilos an einem übersichtlichen Platz an, so dass sich Katzen nicht unbemerkt anschleichen können. Das Anbringen in der Nähe von Fenstern sollte vermieden werden. Wenn es jedoch nicht anders geht, ist das Bekleben der Fenster mit Aufklebern sinnvoll.

(Quelle)

Meisenknödel

Meisenknödel. Luc Viatour / www.Lucnix.be, CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) oder CC-BY-SA-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5-2.0-1.0)], via Wikimedia Commons

Wildbienen: Überwintern in Stauden

Wildbienen sind wichtig für die Befruchtung von Kulturpflanzen. Sie fliegen auch schon bei sehr geringen Temperaturen und sorgen dafür, dass sich die Pflanzen im Garten vermehren und zum Beispiel Obstbäume eine gute Ernte liefern.

Wildbiene

Wildbiene. Christian Fischer [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Da sie nur bei akuter Bedrohung stechen, sind die unter Artenschutz stehenden Wildbienen ideale Bewohner des Gartens. Damit die Bienen es leichter haben in Ihrem Garten zu überwintern, ist es wichtig, dass Sie schon verblühte Stauden nicht so schnell zurückscheiden und auch alte Äste im Winter liegen lassen, denn hier nisten sich die Bienen gerne ein. Pflanzen Sie ebenfalls Efeu an, denn diese Pflanze blüht relativ spät im Jahr und sorgt dafür, dass Wildbienen auch noch im Spätherbst Nahrung haben. (Quelle)

 

Marienkäfer und Schmetterlinge: Schutz im Gartenhaus

Marienkäfer

Marienkäfer. Jon Sullivan (PD-PDphoto.org] (PD Photos.org (via english wikipedia)) [Public domain], via Wikimedia Commons

Marienkäfer sind nicht nur niedlich anzusehen, sie helfen auch dem Gärtner, denn die Insekten vernichten Blattläuse. Marienkäfer werden nur etwa ein Jahr alt und überwintern somit auch nur einmal in ihrem Leben. Nach dem Winter legen sie im Frühjahr ihre Eier ab. Sie können den Marienkäfern helfen in Ihrem Garten zu überwinternd, indem:

  • Sie Reisig- oder Laubhaufen in ihrem Garten liegen haben. Neben altem Holz oder unter Baumrinde, verkriechen sich die Käfer hier besonders gerne.
  • Marienkäfer in Ruhe lassen und sie nicht aus dem Winterschlaf aufwecken.

Marienkäfer überwintern übrigens immer in großen Gruppen von um die 100 Insekten. So können sie sich im Winter warm halten und nach dem Aufwachen schnell einen Partner zum Eierlegen finden. Der Kälte strotzen die Käfer, da ihr Körper ein natürliches Frostschutzmittel (Glycerin) bildet. Ähnlich verhält es sich auch mit einigen Schmetterlingen, wie dem Zitronenfalter.

Zitronenfalter

Zitronenfalter. Jörg Hempel [CC-BY-SA-2.0-de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

Durch den natürlichen Frostschutz strotzt der Falter Temperaturen von bis zu minus 20 Grad. Um die Überwinterung der Schmetterlinge zu gewährleisten ist es wichtig, dass Sie:

  • Nicht alles Laub wegharken oder alle Zweige abschneiden, denn hier überwintern gerne die Puppen der Falter.
  • Fenster oder Dachluken von Geräteschuppen, Gartenhäusern oder Dachböden im Herbst und Frühling einen Spalt weit öffnen. So können die kälteempfindlichen Schmetterlinge, wie das Tagpfauenauge, vor dem Winter ein geschütztes Plätzchen zum Überwintern finden und im Frühjahr nach dem Erwachen wieder herausfliegen.

(Quelle)

 

Kröten: Verstecken sich in Erdlöchern

Auch wenn nicht jeder gerne Kröten mag, sind sie doch für den Garten eine wahre Bereicherung. Denn die Erd- und Kreuzkröten ernähren sich besonders gerne von Kartoffelkäferlarven, Asseln, Nacktschnecken oder Würmern.

Kanadische Kröte

Kanadische Kröte. ceasol (originally posted to Flickr as Canadian Toad) [CC-BY-SA-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Frösche fressen dagegen vor allem Mücken und Fliegen, die ebenfalls eher unbeliebt bei Gärtnern sind. Den Winter verbringen Kröten an einem geschützten Ort. Gute Ruheplätze sind:

  • Feuchte Erdlöcher
  • Hohlräume unter Steinplatten/Holz/Hecken
  • Felsspalten
  • Laubhaufen
  • Unter Wasser im Bodenschlamm (nur seltene Sumpfschildkröten und Kamm-sowie Bergmolche)

(Quelle)

Sie können den Kröten beim Überwintern helfen, indem Sie nach Löchern in Mauern oder im Boden suchen und diese mit Laub befüllen. Dadurch ist der Ort besser vor Kälte geschützt und das Laub gibt beim Vermodern sogar Wärme ab.