Was haben „Doktor Schiwago“ und Stalins Tod mit russischen Freizeithäusern zu tun? Das und vieles mehr verraten wir Ihnen im folgenden Beitrag. Begleiten Sie uns auf unserem Kurzausflug auf die Datscha! Zum Abschluss haben wir ein noch paar Tipps, wie Sie Ihr Gartenhaus im Datscha-Stil einrichten können.

Was ist eine Datscha?

Datscha (auch Datsche), russisch dača, nennen die Russen ihre geliebten Freizeit- und Sommerhäuser. Der Begriff leitet sich vom Wort ‚dat‘ (‚geben‘) ab und bedeutete ursprünglich eine von einem Fürsten verliehene Schenkung.

Eine typische Datscha besteht aus Holz und einem Blechdach, misst ein bis zwei Stockwerke und verfügt meist über eine Terrasse. Ein Garten gehört unbedingt dazu. Darin bauen die Russen in erster Linie Obst und Gemüse an, Blumengärten sind dagegen eher unüblich.

Holzhaus mit Garten in Russland

So kann eine klassische Datscha aussehen: Ein Häuschen aus Holz, umgeben von einem blühenden Garten.

Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs gibt es neben den klassischen Holzhäuschen auch zunehmend Luxus-Datschen mit Swimmingpool, Privatzoo und allen erdenklichen Annehmlichkeiten.

Russische Stadtbewohner fahren regelmäßig am Wochenende zu ihren Datschen. Im Sommer werden sie für viele Familien sogar zum Hauptwohnsitz. Ähnlich wie unsere Schrebergärten liegen die Datschen meist in speziellen Datschensiedlungen.

russische Datschensiedlung in der Tyumen Region

Eine Stadt für sich: Solche weitläufigen Datschensiedlungen sind in Russland keine Seltenheit.

Eine kurze Geschichte der Datschenbewegung: Von der „Zarengabe“ zur Parzelle der kleinen Leute

Die Geschichte der russischen Datscha begann während der Herrschaft von Peter dem Großen im frühen 18. Jahrhundert: Der Zar verschenkte damals Grundstücke und Höfe bei St. Petersburg an verdienstvolle Adelige.

bronzene Statue Peter der Große

Zar Peter I. vergab die ersten Datschen an den russischen Adel.

Vom Adelsbesitz zum Ferienort des Proletariats

Im 19. Jahrhundert feierten die adeligen und großbürgerlichen Datschenbesitzer prächtige Feste und Bälle in ihren Sommerhäusern. Es entwickelte sich dort eine eigene Salonkultur.

Mit der Oktoberrevolution 1918 nahm das ein jähes Ende: Die privaten Datschen wurden beschlagnahmt und zu Staatseigentum erklärt. Nur ausgewählte Personen durften eine eigene Datscha besitzen: So wie einst der Zar zeichnete nun der kommunistische Staat seine treuen Diener mit einer Datscha aus. Künstler wie Boris Pasternak erhielten auf Stalins Geheiß hin eigene Datschen – doch dazu später mehr.

Datschenboom: Notwendige Selbstversorgung

Als in den 1960er Jahren ein politisches Tauwetter einsetzte, durfte jeder, der wollte, eine eigene Datscha erwerben. Voraussetzung: das Grundstück durfte nicht größer als 600 Quadratmeter sein.

Zu einem regelrechten Datschenboom kam es in den Achtziger Jahren, kurz vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Der Selbstversorger-Garten war in Zeiten der unsicheren Lebensmittelversorgung für viele Menschen die Rettung. Sage und schreibe 90 Prozent des in der Sowjetunion verzehrten Gemüses entstammten dem Datschenanbau. Heute sind es immerhin noch 40 Prozent.

Selbsversorger-Garten einer Datscha

Bis heute werden die Datscha-Gärten zur Selbstversorgung genutzt.

Nach 1991 setzte ein weiterer Boom der Datschenkultur ein: Das neue russische Bürgertum verabschiedete sich von den alten Holzhäuschen und baut seither Datschen in der Luxusvariante: vom Freizeithaus mit Minizoo bis zur Datscha aus Stahl und Beton.

Die Datscha in der DDR
Die russische Datscha kam in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg auch nach Ostdeutschland und mischte sich dort mit der angestammten Schrebergartenkultur. Für viele DDR-Bürger war es selbstverständlich, eine Datscha zu pachten – Schätzungen zufolge soll es 3,4 Millionen davon gegeben haben.

Meist lagen die Gartengrundstücke unweit der Städte. Doch auch an der Mecklenburgischen Seenplatte und in anderen Erholungsgebieten wurden Datschen in Leichtbauweise errichtet. Die Datscha bot den Menschen nicht nur eine willkommene Alternative zum beengten Leben im Plattenbau, sondern diente auch zum Anbau von Obst und Gemüse.

Mehr als ein Freizeithaus: Die Datscha als Lebensgefühl

Wenn sie vom Leben auf der Datscha erzählen, bekommen viele Russen glänzende Augen. Die in der Schweiz lebende Marina Rumjanzewa kann sich ein Leben ohne Datscha nicht vorstellen und schrieb sogar ein Buch über das Phänomen Datscha.

russiches Datscha-Essen

Genießen gehört auf der Datscha auch zum Programm, vom Schwarztee nach russischer Art über Erdbeeren aus dem Garten bis hin zu süße Leckereien.

Im 19. Jahrhundert gehörte ein Haus auf dem Land für Adel und Mittelschicht einfach dazu: Dichter und Schriftsteller wie Alexander Puschkin oder Anton Tschechow verewigten die Datschen in ihren Werken. Die Datscha war mehr Lebensgefühl als Freizeitdomizil. Es gab speziell angefertigtes Datschenmobiliar und eine eigene Datschenmode – bis heute: Leinenstoffe, Spitze, Rüschen und Schleifen, Blumenmuster und Naturfarben sowie nostalgische Accessoires stehen für den Datscha-Chic.

Neben den Gärtnerfreuden dominiert der Müßiggang das Datschendasein: Auf der Datscha entspannen sich die Russen, plaudern mit anderen „Datschniki“, essen, trinken und feiern. Besonders ältere Leute und Kinder verbringen den ganzen Sommer auf der Datscha, während die Berufstätigen meist nur am Wochenende kommen.

Familien Grillfest auf der russischen Datscha

Datscha und Kindheit in Russland gehören eng zusammen: Die Sommerferien verbringen die meisten Kinder im Freizeithäuschen der Familie.

Berühmte Datschen

In der russischen Geschichte und Kultur spielte die Datscha häufig eine wichtige Rolle. Statten wir zum Abschluss den Datschen dreier berühmter Russen einen Besuch ab:

Schriftsteller und Hobbygärtner: Anton Tschechow auf der „weißen Datscha“

In Jalta auf der Halbinsel Krim steht die „Weiße Datscha“ von Anton Tschechow. Das Haus ließ der Schriftsteller nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten, im Garten legte er als begeisterter Hobbygärtner selbst Hand an.

Tschechows Datscha in Jalta, Krim

Anton Tschechow verbrachte fünf Jahre in der weißen Datscha; heute sind hier viele seiner Manuskripte ausgestellt.

Zwischen 1998 und 1903 schrieb Tschechow hier einige seiner bekanntesten Werke, etwa seine Theaterstücke „Drei Schwestern“ und „Der Kirschgarten“ oder die Erzählung „Die Dame mit dem Hündchen“.

Bereits in Zeiten der UDSSR wurde die Datscha zum Museum ernannt, verfiel aber im Laufe der Jahrzehnte so sehr, dass sich 2008 eine britische Initiative mit prominenten Unterstützern wie Ralph Fiennes, Kenneth Branagh, Michael Frayn und William Boyd für den Erhalt des Kulturguts einsetzte.

Tod auf der Datscha: Stalins Liebe zum Landleben

Auch Diktatoren schätzen die angenehmen Seiten des Landlebens. Josef Stalin besaß eine Vielzahl von Datschen in ganz Russland.

Trügerisches Idyll in Sotschi

Eine davon befand sich nahe des ehemaligen Olympia-Austragungsorts Sotschi, am Nordufer des Riza-Sees. Die Gegend galt schon in den 1930er Jahren als „russische Riviera“ und war wegen ihres angenehmen Klimas und mondänen Flairs ein beliebter Ferienort der Parteiprominenz. Stalin verbrachte in seiner luxuriösen Datscha seinen Sommerurlaub mit bedeutenden Parteimitgliedern. Die gemeinsam verbrachte Zeit im Ferienparadies Sotschi war aber keine Garantie dafür, auf ewig in Stalins Gunst zu stehen.

Stalin-Datscha bei Sotchi

Stalin geht im Hintergrund Akten durch, während Funktionär Lawrenti Beria Stalins Tochter auf dem Schoß hält. Der Mann mit den Kopfhörern, Nestor Lakoba, sollte schon kurz nach der Aufnahme einer Intrige zum Opfer fallen.

Stalins letzte Datscha

Lieblingsdatscha von Josef Stalin

Diese grüngestrichene Datscha war Stalins liebstes Domizil.

Vor den Toren Moskaus, in der Nähe des Dorfes Kunzewo, lag Stalins Lieblingsdatscha, die Blizhnyaya  (deutsch: „die nächste“). Hier fanden wichtige Treffen und Bankette statt.

Am 28. Februar 1953 aß Stalin mit seinen Mitarbeitern, darunter Lawrenti Beria und Nikita Chruschtschow, auf der Datscha zu Abend. Nachdem er seine Gäste nach einer langen, vehementen Unterredung gegen vier Uhr morgens verabschiedet hatte, erlitt Stalin einen Schlaganfall. Aus Furcht, ihren tyrannischen Chef zu stören, wagten sich seine Untergebenen erst rund siebzehn Stunden später Abend in Stalins Zimmer – wo er im Pyjama am Boden lag, bei Bewusstsein, aber ohne sprechen zu können. Der Todeskampf dauerte bis zum 5. März 1953, dann war die Ära Stalin vorbei.

Stalins Speisezimmer

Wo Stalin starb: Innenraum der Datscha nahe des Dorfes Kunzewo.

Kein Dr. Schiwago ohne Datscha: Boris Pasternak in der Schriftstellersiedlung Peredelkino

Gewissermaßen hatte Josef Stalin einen Anteil bei der Entstehung des weltberühmten Romans „Doktor Schiwago“. 1934 wurde auf seine Veranlassung hin die Schriftstellersiedlung Peredelkino bei Moskau erbaut. Autor Boris Pasternak gehörte zu den Glücklichen, die eine der Künstler-Datschen zugesprochen bekamen. Hier schrieb er seinen Bestseller, der zwar in der westlichen Welt für Furore sorgte (auch dank der Verfilmung mit Omar Sharif), ihm aber in seiner Heimat den Ausschluss aus der Schriftstellerkammer einbrachte.

Datscha von Boris Pasternak

Schriftstellerheimat: Boris Pasternak schrieb in dieser Datscha seinen Weltbestseller.

Immerhin: Pasternak durfte weiterhin auf seiner Datscha leben, wo er 1960 starb. 27 Jahre später wurde er unter Präsident Gorbatschow rehabilitiert und „Doktor Schiwago“ auch in Russland veröffentlicht.

Datschenglück auch in Ihrem Garten

Natürlich müssen Sie nicht extra nach Russland reisen, um das Datschenglück am eigenen Leib zu erfahren. Vielleicht haben Sie ja Lust bekommen, aus Ihrem Gartenhaus eine echte Datscha zu machen?

So richten Sie sich Ihre eigene Datscha ein

Jeder Datscha haftet ein wenig Nostalgie an. An vergangene Zeiten erinnern Möbel im Retro-Stil oder antike Einrichtungsgegenstände – sehen Sie sich einfach auf dem Flohmarkt nach besonderen Stücken um. Ein bequemer Korbsessel oder gedrechselte Holzstühle, viele bunte Kissen und bestickte Decken, weiche Teppiche, prunkvolle Kerzenleuchter und Spitzendeckchen verleihen Ihrer Datscha-Einrichtung einen besonderen Charme.

Einrichtung im russischen Datscha-Stil

Bunte Farben und Blumenmuster gehören unbedingt dazu! Scheuen Sie sich nicht vor türkis oder rot gestrichenen Möbelstücken, geblümtem Geschirr oder farbenfrohen Sofakissen. Auf dem Tisch oder dem Fensterbrett macht sich eine Vase mit frischen Gartenblumen gut.

russische EInrichtung fürs Gartenhaus

Und wer weiß, vielleicht stöbern Sie sogar einen alten Samowar auf, mit dem Sie sich Tee nach russischer Art zubereiten können?

Samowar und Blinis

Typisch russisch: Tee aus dem Samowar und Blinis.

Weitere Inspirationen finden Sie auf unserem Pinterest-Board „Sommer auf der Datscha“.

Das passende Gartenhaus im „Datscha-Stil“

Im Grunde kann jedes Gartenhäuschen zu einer Datscha werden. Besonders passend finden wir aber unsere Freizeithäuser Kelkheim oder Canada ISO:

Sie ähneln den russischen Freizeithäusern nicht nur in der Bauweise, sondern besitzen auch eine überdachte Terrasse, die eine Datscha erst perfekt macht. Auf ein paar farbenfroh gestrichenen Holzstühlen oder in einem Korbsessel mit bunten Kissen können Sie von hier den Blick in Ihren Garten genießen. Ganz so, wie das die Russen auf ihrer Datscha tun.

Wir hoffen, unser Beitrag hat Sie inspiriert, und wünschen Ihnen einen schönen Sommer auf Ihrer ganz persönlichen Datscha.

Bilder: Titelcollage (im Uhrzeigersinn): © iStock/yocamon; © iStock/MoosyElk; Moresse de moret / Wikipedia Commons; © iStock/ irakite; Bild 1: © iStock/irakite; Bild 2: © iStock/ Sergei Butorin; Bild 3: © iStock/ fordeno; Bild 4 (Collage Gemüseanbau): © iStock / jenoche, © iStock /Manuta, © iStock /Iakov Filimonov; Bild 5 (Collage Essen): © iStock / Natalie_Lissy (links), © iStock / Vladlenaazima (rechts); Bild 6 (Kinder): © iStock / shironosov; Bild 7 (weiße Datscha): JanManu/ Wikimedia Commons; Bild 8 (Stalins Garten): Wikimedia Commons; Bilder 9 und 10 (Kunzewo): Moresse de moret / Wikimedia Commons; Bild 11: Wikimedia Commons; Bild 12 (Collage Mobiliar): © iStock / kasipat, © iStock / Mary Catherine Brinkworth, © iStock / byheaven, © iStock /_lolik_, © iStock /Avdeev_80; Bild 13 (Collage Datschafarben) © iStock / InnaFelker, © iStock /3DMaster, © iStock / jjspring, © iStock /Angelika Kagan; Bild 14: © iStock / AlexeyBorodin; Bilder 15 + 16: Gartenhaus GmbH.