Flaschengarten anlegen: Schritt für Schritt ganz einfach nachzumachen

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Was ist ein Flaschengarten und wie funktioniert das Mini-Ökosystem im Glas? Welche Behälter eignen sich dafür? Ist ein Deckel nötig? Was ist der beste Standort für einen Flaschengarten? Welche Erde und welche Pflanzen eignen sich für den Minigarten in der Flasche? Wie muss der Flaschengarten gepflegt werden? Braucht er Wasser und Dünger – und falls ja, wie oft? Was tun, wenn das Glas beschlägt oder sich Schimmel bildet? Wie lässt sich ein Flaschengarten beleuchten? Wie kann ich einen Flaschengarten anlegen? Diese und noch viel mehr Fragen beantworten wir  zum Trend Flaschengarten selber machen – inklusive Schritt-für-Schritt-Anleitung!

Was ist ein Flaschengarten?

Ein Flaschengarten ist ein immergrüner Garten in einer Flasche oder einem anderen Behälter aus Glas. Er stellt ein Mini-Ökosystem dar – ganz ähnlich wie ein Gewächshaus, wie Sie es in unserem Onlineshop kaufen können, in dem sich dank Sonnenlicht und -wärme sowie Wasser ein feucht-warmes, tropisches Klima einstellt. Das Mini-Ökosystem Ihres Flaschengartens reguliert sich demnach ganz von selbst. Das heißt: Der Flaschengarten braucht kaum Pflege.

Soll heißen: Sie können das dekorative Grün im Glasgefäß getrost sich selbst überlassen.

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Wie funktioniert ein Flaschengarten?

Ein Flaschengarten ist quasi ein „Gewächshaus to go„. Als dessen Erfinder gilt der englische Arzt Nathanial Bagshaw Ward. Die sogenannten Wardschen Kästen wurden ab Ende der 1830er-Jahre bekannt, denn sie bewährten sich insbesondere zum Transport von Pflanzen auf langwierigen botanischen Entdeckungsreisen.

Die Wiki zitiert eine Beschreibung eines solchen Wardschen Kastens aus Meyers Konversations-Lexikon von 1888 bis 1890: Demnach sei dieser eine

„Einrichtung zum Transportieren und zur Kultur von Pflanzen unter sonst ungünstigen Verhältnissen, besteht aus einem flachen metallenen, gut gestrichenen Bodenstück, auf welchem sich ein metallenes Gestell zur Aufnahme von Glasplatten erhebt. Letztere bilden die Seitenwände und die Decke des Kastens. Das Bodenstück, welches einen einige Zoll hohen Rand besitzt, füllt man mit Erde, steckt in diese die Samen oder die Pflanzen, begießt und schließt dann den Kasten vollständig. Die Pflanzen gedeihen vorzüglich, denn sie sind vor Staub und schroffem Temperaturwechsel geschützt und hinlänglich mit Feuchtigkeit versehen, da das Wasser nie verdunsten kann.“

Gut zu wissen: Es gibt zwei Versionen vom Flaschengarten.

  1. Offener Flaschengarten
  2. Geschlossener Flaschengarten – Für das luftdicht verschlossene Gefäß ist die Bezeichnung Flaschengarten zwar ebenfalls üblich, aber nicht richtig. Richtig wäre Hermetosphäre.

Eine einfacher herzustellende und abzudichtende Alternative zum Wardschen Kasten ist die Wardsche Flasche, der Flaschengarten, der in Glasballons angelegt wurde, wie man sie zum Wein- und Essigtransport einsetzte.

Was brauchen Sie für Ihren Flaschengarten?

Für Ihren Flaschengarten benötigen Sie folgende „Zutaten“:

  • Glasgefäß. Das Glas, die Flasche oder der Ballon sollten wenigstens zwei Liter fassen und sich gut verschließen lassen.
    Unser Tipp: Im Grunde können Sie jede Glasflasche für Ihren Flaschengarten verwenden. Am besten lassen sich jedoch bauchige Einmachgläser oder „Bonbongläser“ bepflanzen, die Sie luftdicht verschließen können.
  • Drainage. Damit der Wasserkreislauf „bewässern – versickern – verdunsten – kondensieren“ im Flaschengarten rund läuft, ist eine Drainageschicht ratsam. Geeignet sind dafür Ziegelsplitt, handelsübliches Pflanzgranulat aus Blähton oder Lavagestein für Hydrokulturen sowie Kiesel.
  • Schimmel-Schutz. Um der Entwicklung von Schimmel im Flaschengarten vorzubeugen, können Sie eine halbe Handvoll Holzkohle zugeben, entweder sogenannte Aktivkohle oder auch Grillkohle, die Sie in kleine Stücke zerbröseln. Sie bremst Fäulnisprozesse und macht Schimmelpilzsporen das Leben schwer. Sie können auch winzige Bodenlebewesen einbringen, sogenannte Springschwänze, die sich als Helfer gegen Schimmelbefall bestens bewährt haben. Für Ihren Flaschengarten benötigen Sie 20 bis 30 Stück.
  • Erde. Verwenden Sie für Ihren Flaschengarten am besten eine keimfreie, nährstoffarme Aussaaterde, damit wachsen die Pflanzen nur langsam und bleiben klein.
  • Pflanzen. Etwa fünf kleine Pflanzen reichen zum Bepflanzen Ihres Flaschengartens aus.
  • Flaschengartengeräte. Eine Papprolle, ein Trichter, mehrere Holzstäbchen in der zu Ihrem Flaschengarten passenden Länge – das sind die Gartenwerkzeuge, die Sie zum Gärtnern in der Flasche brauchen

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Welche Pflanzen eigenen sich für Ihren Flaschengarten besonders gut?

Passend zum tropischen Klima im Flaschengarten pflanzen Sie dort idealerweise exotische Pflanzen ein. Sie gedeihen dort wie in ihrer natürlichen Umgebung. Achten Sie bei der Wahl der Pflanzen für Ihren Flaschengarten außerdem darauf, dass die Pflanzen auf nährstoffarmem Boden gut und bestenfalls langsam wachsen.

Das können beispielsweise sein:

  • klein wachsende Farne
  • Torfmoose
  • Efeu mit kleinen Blättern
  • Zwergversionen von Grünlinien
  • Zierpfeffer
  • Zebrakraut
  • Ufopflanze

Sie mögen es gerne farbenprächtiger und bunter? Dann können Sie einen Flaschengarten anlegen und mit

  • kleinen Orchideen, zum Beispiel der Gattungen Phalaenopsis, Cymbidium und Dendrobium,
  • oder Bromelien mit ihren außergewöhnlichen Blüten bepflanzen.

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Unser Tipp: Wenn Sie Kakteen oder Sukkulenten lieben, können Sie auch diese in den Flaschengarten pflanzen. Aber Achtung: Sukkulente und Kaktus im Flaschengarten vertragen keine allzu hohe Luftfeuchtigkeit. Deshalb sollte der Flaschengarten unverschlossen bleiben.

Auch Bonsai wächst im Flaschengarten. So eignen sich der Ficus Ginseng und der Ficus Retusa dafür. Beide gehören zur Familie der Maulbeergewächse (Moraceae) und brauchen viel Pflege. Denn Sie müssen die Minibäumchen beschneiden, am besten, sobald die Blätter das Glasgefäß berühren. Wenden Sie sich bei Fragen zur richtigen Hege und Pflege am besten an Bonsai-Spezialisten.

Flaschengarten anlegen: Schritt für Schritt erklärt und einfach nachzumachen

Im Folgenden zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Ihren Flaschengarten anlegen. Los geht’s mit:

Schritt 1 – Glasgefäß reinigen:

Säubern Sie Ihr Glasgefäß gründlich. Nutzen Sie dazu kochend heißes Wasser – das tötet Keine und Schimmelsporen ab. Trocknen Sie das Glas anschließend ab.

Schritt 2 – Drainageschicht einbringen:

Je nach Größe der Öffnung Ihres Glasgefäßes können Sie das Material für die Drainageschicht im Flaschengarten entweder mit der Hand einfüllen oder mit Hilfe des Trichters und der Papprolle, zum Beispiel die von einer Küchen- oder Geschenkpapierrolle, als Hilfsmittel. Die Drainageschicht sollten Sie gleichmäßig verteilen. Empfehlenswert ist eine Höhe von drei bis fünf Zentimetern.

Schritt 3 – Schimmelbildung vorbeugen:

Als Nächstes folgt eine Maßnahme zur Schimmelvorbeuge: Geben Sie die zerkleinerte Holzkohle auf die Drainageschicht.

Schritt 4 – Pflanzerde einfüllen:

Die nächste Schicht in Ihrem Flaschengarten ist die Pflanzerde.

Unser Tipp: Achten Sie darauf, dass die Aussaaterde trocken ist. Dann können Sie sie getrost an der Innenwand des Glasbehälters herunterrieseln lassen, ohne befürchten zu müssen, dass das Glas dabei schmutzig wird.

Füllen Sie die Erde, wie zuvor die Drainageschicht, mit Hilfe von Trichter und Papprolle in das Glasgefäß ein, sodass sie gleichmäßig verteilt ist. Sie sollte etwa acht bis zehn Zentimeter hoch sein.

Schritt 5 – Flaschengarten anlegen und richtig bepflanzen:

Bevor Sie Ihre Pflanzen in den Flaschengarten pflanzen, müssen Sie diese optimal auf den Einzug in das Glasgefäß vorbereiten. Vereinzeln Sie die Pflanzentriebe, schütteln Sie die ihnen anhaftende Erde ab und spülen Sie die Wurzeln mit Wasser.

Unser Tipp: Sind die Wurzeln der Triebe recht lang, kürzen Sie diese. Das regt die Pflanze an, neue Wurzeln auszubilden.

Drücken Sie mit einem Löffel eine Mulde in die Erde und setzen Sie die Pflanze dort hinein. Greifen Sie dann zur Hand oder zum Stäbchen und drücken Sie damit die Pflanze sachte fest.

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Unser Tipp: Die Pflanzen brauchen etwas Abstand, damit sie gut gedeihen!

Schritt 6 – Angießen der Pflanzen:

Nehmen Sie handwarmes, kalkarmes Wasser zum Beispiel aus der Regentonne und gießen Sie die Pflanzen damit vorsichtig an.

Unser Tipp: Die Erde sollte gut durchfeuchtet sein, es darf sich aber kein Wasser am Boden des Flaschengartens stauen, sonst droht Fäulnis. Am besten gießen Sie soviel Wasser ein, dass das Glas morgens beschlagen ist, im Laufe des Tages aber gut trocknet.

Schritt 7 – Dekorieren des Flaschengartens:

Nicht bepflanzte Areale im Flaschengarten können Sie mit dekorativen Steinen, Muscheln, Holzwurzeln oder auch Miniaturen aller möglichen Figuren besetzen.

Schritt 8 – Verschließen des Flaschengartens:

Verschließen Sie den Flaschengarten mit einem geeigneten und passenden Verschluss. Das war’s – Sie können Ihren Flaschengarten jetzt genießen.

Flaschengarten selber machen: Schritt für Schritt PDF zum Nachmachen

Wir haben eine Liste zum Ausdrucken für Sie zusammengestellt, auf der Sie alle wichtigen Schritte zum Flaschengarten selber machen PDF noch einmal kompakt wiederfinden. Speichern Sie sich diese gerne ab oder drucken Sie diese aus.

5 häufige Probleme im Flaschengarten: Erste Hilfe

Auch im Gartenparadies in der Flasche kann es Probleme geben. Für typische Probleme im Flaschengarten haben wir die Lösung:

1. Stauwasser im Flaschengarten – was tun?

Haben Sie Ihren Flaschengarten einmal zu reichlich gegossen, lassen Sie einfach den Verschluss offen, bis das Zuviel an Wasser auf natürliche Weise verdunstet ist.

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2. Schimmel im Flaschengarten – was tun?

Gegen Schimmel im Flaschengarten können Sie wie oben beschrieben vorbeugend Kohle und/oder Springschwänze einsetzen. Während des natürlich einsetzenden Verrottungsprozesses bildet sich Schimmel an totem Pflanzenmaterial im Flaschengarten.

Erst wenn dieser die noch lebenden Pflanzen befällt, besteht Handlungsbedarf: Öffnen Sie den Flaschengarten für ein paar Tage, um überschüssige Feuchtigkeit verdunsten zu lassen. Auch zu viel Licht und Wärme kann das Schimmelwachstum fördern – wechseln Sie hier gegebenenfalls den Standort.

Auf ungeeignete Deko-Gegenstände, Dünger oder Pestizide reagiert ihr Flaschengarten mitunter chemisch – und bildet einen Schimmelteppich. Die oberste schimmelbedeckte Erdschicht können Sie abtragen. Schlimmstenfalls muss die Erde aber komplett ausgetauscht werden.

3. Beschlagene Glaswände im Flaschengarten – was tun?

Beschlagene Glaswände im Flaschengarten sind ein Zeichen von zu viel Feuchtigkeit und/oder Wärme im Gefäß. Wechseln Sie den Standort. Öffnen Sie das Gefäß einmalig für drei Stunden, sodass überschüssige Feuchte verdunstet.

4. Regenwurm im Flaschengarten – was tun?

Sie haben einen Regenwurm im Flaschengarten? Dann lassen Sie ihn darin und beobachten Sie sein munteres und vor allem nützliches Treiben!

5. Algenbewuchs im Flaschengarten – was tun?

Grüner Belag an der Innenwand des Glasgefäßes spricht für Algen im Flaschengarten. Der Grund dafür ist oft zu wenig Licht. Wechsel Sie den Standort!

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Der richtige Standort für Ihren Flaschengarten

Achten Sie bei der Wahl des richtigen Standortes für Ihren Flaschengarten darauf, dass er nicht direkt in der Sonne und nicht zu nahe an Wärmequellen steht.

Unser Tipp: Drehen Sie den Flaschengarten an seinem Standort regelmäßig.

Die richtige Pflege Ihres Flaschengartens

  • Gießen: Ein geschlossener Flaschengarten braucht einmal im Jahr Bewässerung, ein offener drei bis vier Mal. Damit sich das Klima im Flaschengarten gut einstellt, sollten Sie das Glasgefäß regelmäßig entstauben.
  • Düngen: Ein geschlossener Flaschengarten bildet einen geschlossenen natürlichen Kreislauf, in den Sie bestenfalls nicht eingreifen. Anders ist das bei offenen Flaschengärten: Dort sollten Sie regelmäßig düngen, um Nährstoffe in das Mini-Ökosystem einzubringen. Ein handelsüblicher Mikronährstoffdünger sollte etwa einmal die Woche auf die Blätter der Pflanzen im Flaschengarten aufgebracht werden.

Bonus-Tipp: Flaschengarten beleuchten

Mit dem Flaschengarten anlegen ist es noch nicht getan: Er wirkt besonders dekorativ, wenn Sie ihn im Dunkeln beleuchten. Das funktioniert zum Beispiel mit Verschlüssen, in die LED-Leuchtmittel integriert sind. Aber Achtung: Licht im Dunkeln ist nicht natürlich – Sie sollten es mit der Beleuchtung also nicht übertreiben, sie stört die Nachtruhe Ihrer Pflanzen im Flaschengarten!

Vielen Dank an Johanna von Neue Etage, die uns die Bilder von ihrem selbst angelegten Flaschengarten zur Verfügung gestellt hat. Mehr dazu auf: Einmal gießen und gut is‘ – der ewige Flaschengarten.

Weitere Infos zum Thema Gewächshaus bietet Ihnen unser Ratgeber:

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Titelbild: ©iStock/qnula
Artikelbilder: Bild 1: ©iStock/Mikhail Spaskov; Bild 2+3: ©Neue Etage – Leben. Wohnen. Norden.; Bild 4: ©iStock/fottodk; Bild 5-8: ©Neue Etage – Leben. Wohnen. Norden.; Bild 9: © iStock/studio2013 ; Bild 10: ©Neue Etage – Leben. Wohnen. Norden.

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