Am Wochenende ist Freinacht. Wenn Sie am Sonntagmorgen Ihr Gartentor nicht an der nächsten Straßenecke finden wollen, sollten Sie sich bereits am Samstag auf die Streiche der Jugendlichen vorbereiten. Mit diesen Tipps und Tricks machen Sie Ihr Gartenhaus und Ihren Garten sicher.

Ein Brauch mit langer Tradition

Jedes Jahr in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai ziehen Jugendgruppen um die Häuser und treiben Schabernack. Dass dieser Brauch eine lange Tradition hat, bezeugen zwei unterschiedliche Ursprungstheorien.

Ursprungstheorie 1: Der Abend vor der Musterung

Eine Erklärung baut darauf, dass der 1. Mai Jahrhunderte lang der Tag der Musterung war. Am Abend davor haben die jungen Männer deshalb noch einmal ausgiebig gefeiert und fingen an, Unfug zu treiben. Und so tun sie es auch heute noch.

Ursprungstheorie 2: Die Jahreszeitenwende

Die andere Theorie orientiert sich am bäuerlichen Kalender. Laut diesem ist in der besagten Nacht die Wende vom Winter- zum Sommerhalbjahr. Oft auch als Walpurgisnacht bezeichnet, treiben daher böse Geister und Hexen ihr Unwesen. Feuer und Lärm sollen helfen, sie zu vertreiben.  

Nicht alle Streiche sind legal

Wenn Sie am nächsten Morgen Ihr Auto mit Klopapier umwickelt finden, ist das noch kein Grund, sich sofort bei den Behörden zu beschweren. Freinachtsstreiche sind meist geduldet, solange keine Gegenstände beschädigt oder Personen gefährdet werden. Es gibt jedoch Taten, die auch in der an Freinacht illegal bleiben. In diesen Fällen können Sie Anzeige erstatten.

Umgefallendes Stoppschild

Entfernte Verkehrsschilder sind ein beliebter Freinachtsscherz, aber nicht legal.

Traditionelle Freinachtsstreiche

  • Traditionell wurden in den ländlichen Gegenden unaufgeräumte Gegenstände auf dem Dorfplatz gesammelt und konnten von den Kirchengängern am nächsten Tag abgeholt werden. Dies hatte das Ziel, unordentliche Nachbarn zu mehr Disziplin anzustoßen.
  • Autos und Zäune werden mit Klopapier verziert. Dennoch gilt: „Die Freinacht ist kein Freibrief – das Strafgesetzbuch gilt immer.“
  • Gemäß dem langjährigen Brauch wird in benachbarten Dörfern in Bayern der Maibaum gestohlen. Obwohl die Burschengemeinschaften ihren Maibaum stets bewachen, haben einige Gemeinden immer wieder Erfolg und erhalten als Auslöse eine Menge Bier.
Burschen beim Maibaum aufstellen

Nach altem Brauch wurden an Freinacht in Bayern Maibäume gestohlen.

Auch an Freinacht gibt es Grenzen

  • Ein bekannter Freinachtsscherz ist das Verzieren von Gegenständen mit Zahnpasta oder Rasierschaum. Gerade bei lackierten Gegenstäden (z.B. Autos) hinterbleiben jedoch Spuren. Das ist Sachbeschädigung und kann angezeigt werden.
  • Das Aushängen von Gartentoren ist verboten.
  • Das Ausheben von Gullydeckeln oder Umstellen von Verkehrsschildern gilt als Eingriff in den Straßenverkehr und ist strafbar. Hierbei können Personen gefährdet werden.
  • Es ist verboten, Mülltonnen zu entleeren oder anzuzünden. Genauso wenig dürfen andere Gegenstände in Brand gesetzt werden.
Offene Gullydeckel sind gefährlich

Entfernte Gullydeckel sind lebensgefährlich.

So sichern Sie Ihr Gartenhaus und Ihren Garten für die Freinacht

Garten aufräumen

Verstauen Sie alle herumliegenden Gartengeräte und Spielzeuge im Keller oder Gartenhaus. Nehmen Sie die Wäsche ab, verräumen Sie leicht entwendbare Gartendekoration und sperren Sie Ihre Fahrräder an. Um ganz sicher zu gehen, können Sie auch die Balkonmöbel mit einem Schloss zusammenketten oder einer Plane bedecken.

Gartenhaus und Gartentor verriegeln

Sperren Sie Ihr Gartenhaus und Ihr Gartentor zu und nehmen Sie den Schlüssel mit ins Haus. In der Freinacht wird sich wahrscheinlich niemand die Mühe machen, den Schlüssel in der Dachrinne oder im Blumentopf zu suchen, aber allgemein beugen Sie damit Einbrüchen vor. Schließen Sie daher nachts auch immer alle Fenster Ihres Gartenhauses.

Licht an

Licht schreckt Eindringlinge ab. Wenn Sie keine Lampe parat haben oder diese lieber im Gartenhaus verstauen, können Sie auch ein paar Kerzen aufstellen. So wirkt der Garten bewohnter. Eine weitere Möglichkeit ist, einfach das Zimmerlicht brennen und Ihr Rollo offen zu lassen. Das Risiko, spontan entdeckt zu werden, gehen die Wenigsten ein.

Brennendes Licht in Haus und Garten

Brennendes Licht schreckt Eindringlinge noch am schnellsten ab.

Warum nicht einfach selbst Wache halten?

Was gibt es Schöneres, als den Mai selbst willkommen zu heißen? Laden Sie doch deshalb am besten ein paar Freunde ein, feuern Sie den Grill an und machen Sie es sich mit einem Gläschen Wein auf der Terrasse gemütlich. Da traut sich bestimmt kein Fremder in den Garten.

Und weil Sie am nächsten Morgen keine unangenehme Überraschung erwartet, können Sie den Tag entspannt beim Maibaumfest verbringen und über die Freinachtsgeschichten der anderen lachen.

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