Der Schrebergarten:  für viele Städter die Ruhe-Oase, die einem eine kurze Auszeit vom hektischen und chaotischen Alltag verschafft. Hier können wir uns der Gartenarbeit widmen, die Sonne genießen, einfach mal die Seele baumeln lassen. Und alle Sorgen für eine Weile vergessen. So ist es, wenn man bereits einen Kleingarten besitzt. In den Großstädten warten aber jedes Jahr mehr Menschen auf einen Kleingarten, als es freie Gärten gibt. Wir haben mit Herrn Paschke vom Bundesverband für Gartenfreunde e.V. über das Phänomen Schrebergarten sowie dessen Nutzung und Entwicklung gesprochen. Und natürlich auch über das Problem der Gartenknappheit in großen Städten.

Frage: Herr Paschke, was macht man denn genau als Präsident des Bundesverbands Deutscher Gartenfreunde? Wie sieht bei Ihnen ein typischer Tagesablauf aus?

Der Präsident des BDG hat die Aufgabe, gemeinsam mit seinem Präsidium dafür Sorge zu tragen, dass die Rahmenbedingungen für das deutsche Kleingartenwesen erhalten und weiter ausgebaut werden. Dies betrifft vom Umfang her 20 Landesverbände mit 15.000 Kleingärtnervereinen und einer Million Pächtern.

 

Kleingarten mit Gartenhaus

Bild: BDG/Wagner, Kleingarten mit Gartenhaus

Frage: Gerade in Großstädten sind Grünflächen oft  Mangelware. Welche Flächen dürfen als zukünftige Schrebergärten dienen? Gibt es bestimmte Anforderungen? Wie setzen Sie sich gegen andere Ideen, z.B. einer Parkentstehung oder Bebauung, durch? Wie entsteht eine Schrebergartenanlage?

In den Ballungsräumen und in Großstädten gibt es einen großen Bedarf an Kleingärten, der teilweise nicht befriedigt werden kann. Ein Beispiel hierfür ist Berlin, wo 12.000 Menschen auf einen Kleingarten warten und jährlich nur etwa 3000 einen Garten durch Pächterwechsel erwerben können. Dass Flächen von Kleingartenarealen auch für andere Zwecke genutzt werden sollen – zum Beispiel den Wohnungsbau – birgt stets ein Potenzial an Auseinandersetzungen und Interessenkonflikten.

BDG-Präsident Peter Paschke

Bild: BDG/Wagner, Peter Paschke, Präsident des Bundesverbands für Gartenfreunde e.V.

Frage: Was muss ich tun, um einen Schrebergarten zu bekommen? Gibt es regionale Unterschiede bei den Auflagen beziehungsweise der Vergabe der Kleingärten?

Um einen Kleingarten pachten zu können, sollten sich potenzielle Kleingärtner an die örtlichen Kleingärtnervereine wenden oder sich auf deren Internetseiten sachkundig machen, da leere Parzellen auch dort angeboten werden. Die kleingärtnerische Nutzung ist bundeseinheitlich geregelt. Regionale Unterschiede können in Rahmengartenordnungen auftreten, die jedoch immer Bestandteil der pachtrechtlichen Verträge sind.

Kleingartenparzelle mit Beet

Bild: BDG/Wagner, Kleingarten Parzelle mit Beet

Frage: Wenn ich frischgebackener Schrebergartenbesitzer bin, was muss ich alles tun, um meinen kleinen Garten nicht wieder zu verlieren? Was sind die wichtigsten Regeln/Auflagen?

Die wichtigsten Regeln im Kleingartenwesen sind zum einen die „kleingärtnerische Nutzung“, wobei die Pächter ein Drittel ihres gepachteten Kleingartens für den Anbau von Gartenbauerzeugnissen für den Eigenbedarf zu nutzen haben. Dabei bildet der Obst- und Gemüseanbau den Schwerpunkt. Zum anderen sind bauliche Normativen einzuhalten. Es darf eine Laube mit einer Größe von 24 Quadratmetern einschließlich überdachten Freisitzes in einfacher Bauausführung errichtet werden. Sie darf in ihrer Beschaffenheit nicht zum dauerhaften Wohnen geeignet sein.

„Willst du ein Leben lang glücklich sein, dann leg‘ einen Garten an.“

Der eigene Kleingarten hat wohl für jeden eine andere Bedeutung. Jeder Gärtner nutzt seine Grünfläche auf seine eigene Art und Weise, weshalb kein Garten wie der andere ist. Die einen mögen Gemüse, die anderen lieben bunte Blumen. Der eigene Schrebergarten soll glücklich machen, egal wie man ihn gestaltet.

Frage: Was sind die ungewöhnlichsten Kleingartenkonzepte?
Die persönlichen Ideen, Nuancen und auch Individualität der Kleingartenpächter kommt auch in der Gestaltung ihrer Gärten zum Ausdruck. Hobby-Eisenbahner lassen eine Garteneisenbahn durch ihren Garten fahren und gestalten die Modelleisenbahn mit gärtnerischen Elementen. Andere wiederum legen ein Feuchtbiotop mit vielen Schauelementen an. Es gibt Imkergärten und auch Gartenfreunde, die sich der Züchtung besonderer Zierpflanzen verschrieben haben.

Kleingarten mit Gartenhaus und Rosen

Bild: BDG/Wagner, Jeder wie er mag. Die einen lieben Gemüse, die anderen bevorzugen Blumen.

Frage: Wie sieht der durchschnittliche Kleingarten aus? Was machen die Besitzer (zur Entspannung, Gemüseanbau usw.) mit ihrem Garten?

Ein Kleingarten dient der aktiven Gartenarbeit und zur Erholung der Gartenfreunde. Gemeinsame Treffen von Bekannten und Verwandten im Garten sind ein Muss. Auch untereinander hilft man sich gegenseitig bei der Gartenarbeit oder beim Austausch von Pflanzen und Saatgut. Da die Kleingartenparzellen immer in einer Kleingartenanlage liegen, die stets zu einem Kleingärtnerverein gehört, spielt die Vereinstätigkeit eine große Rolle. Gemeinsame Vereinsveranstaltungen, Garten-, Sommer- und Kinderfeste festigen die Gemeinschaft der Gartenfreunde.

Kleingärtner-Treffen mit Freunden und Verwandten

Bild: BDG/Wagner, Gemeinsame Treffen mit Freunden im Kleingarten sind ein Muss.

Frage: Der Gemüseanbau ist unter Kleingärtnern sehr beliebt. Je größer und schöner das Obst und Gemüse, desto stolzer ist der Gärtner. Darf man als Privatperson etwas nachhelfen und genmanipuliertes Saatgut pflanzen? Wie stehen Sie persönlich zur Genmanipulation des Pflanzgutes?


Der Obst- und Gemüseanbau steht bei den Kleingärtnern und Kleingärtnerinnen hoch im Kurs. Wir empfehlen beim Anbau standortgerecht zu pflanzen und – wenn möglich – resistente Sorten zu verwenden. Standortgerecht heißt, Arten und Sorten auszusuchen, die mit dem regionalen Kleinklima zurechtkommen. Hier hilft ein Blick in Nachbars Garten sehr gut. Genmanipuliertes Saatgut spielt in Europas Freizeitgartenbau noch keine Rolle. Dies ist nicht erforderlich und auch nicht erwünscht. Der Bundesverband hat sich hierzu eindeutig positioniert. Kleingärtner tragen, durch die Vielfalt auch an alten Arten und Sorten, maßgeblich zur Erhaltung der Biodiversität der Kulturpflanzen bei.

Mit Kreativität gängigen Klischees entgegen

Frage: Auf Ihrer Webseite Kleingarten-bund.de steht, dass sie sogenannte „Schnuppergärten“ für potentielle Interessenten bereitstellen. Was genau kann ich mir unter einem Schnuppergarten vorstellen? Wie lange darf man diesen testen? Darf man ihn auch nach eigenen Wünschen in der Testphase gestalten?

Das ist eine von vielen Ideen, die in den Gliederungen des Kleingartenwesens entstehen, um mit viel Kreativität eine neue potenzielle Pächtergeneration für das Projekt Kleingarten zu gewinnen. In der Schnupper- oder Probezeit können Neupächter und Kleingärtnerverein testen, ob sie zueinander passen und wie sie miteinander klarkommen. Bin ich ein Gartentyp? Passe ich in einen Verein? Mit einem Schnuppergarten ohne unbegrenzte Pachtvertragsbindung wird der jungen Zielgruppe auch erst einmal die Angst vor dem großen Schritt zum Projekt Kleingarten genommen. In der Regel entsteht daraus eine lebenslange Freundschaft.

Junge Hebt Zucchini über den Kopf

Bild: BDG/Wagner, Obst- und Gemüseanbau steht auch schon bei den kleinsten Kleingärtnern hoch im Kurs.

Frage: Oft bringt man Schrebergärten mit einer älteren Zielgruppe in Verbindung. Ist dem tatsächlich so oder werden die Interessenten immer jünger?


Kleingärten sind ein Mehrgenerationenprojekt. 45 % aller Neuverpachtungen der letzten 5 Jahre gingen an Familien (mit Kindern), 64 % aller Pächter, die in den vergangenen 10 Jahren einen Garten übernommen haben, sind jünger als 55. Dass das Durchschnittsalter trotzdem bei 60 Jahren liegt, klingt zuerst einmal paradox. Doch der demografische Wandel, die zunehmende Alterung der Gesellschaft, bringt mit sich, dass unsere Menschen länger fit und gesund bleiben und ihren Kleingarten somit bis ins hohe Alter nutzen. Das ist ja auch gut so.

Kleingärtnerpaar am Gartenzaun

Bilder: BDG/Wagner, Kleingärten sind ein Mehrgenerationenprojekt, sowohl die Großeltern erfreuen sich am eigenen Garten…

Frage: Wie stellen Sie sich den Schrebergarten in der Zukunft vor? Was wird sich Ihrer Meinung nach verändern? Ist die Idee des Kleingartens „zukunftssicher“?

Dem Kleingarten wurden in seiner 200 jährigen Geschichte bereits viele Klischees angehängt, die er aber immer wieder abschütteln konnte. Aktuell erleben wir einen eindeutigen Boom. In Großstädten wie Berlin, Frankfurt, Hamburg und München wächst die Nachfrage so stark, dass die Flächen nicht reichen. Wir fordern für die Zukunft, im Wohnungsbau auch Kleingartenanlagen einzuplanen, um ausreichend Platz für die Grünfans zu bekommen. Das Thema Garten liegt im Trend, Urban Gardening zeigt das sehr deutlich. Wir Kleingärtner finden Urban Gardening gut, denn wir machen das schließlich seit 200 Jahren.

Kind mit Gießkanne im Kleingarten

…als auch die Enkelkinder. So macht Gartenarbeit einfach Spaß!

Frage: Und nun zu guter Letzt: Wie entspannen Sie sich denn am liebsten in Ihrem Kleingarten? Wie nutzen Sie Ihren Schrebergarten?

Wenn die Tomaten ausgegeizt, das Salatbeet von Unkraut befreit und der junge Apfelbaum gegossen ist, am liebsten mit einem Bier am Grill zum Feierabend.

Buntes Blumenmeer im Kleingarten

Bild: BDG/Wagner, Manche mögens bunt.