Wir haben Ihnen in unserem Ratgeber Ameisen, Stechmücken, Spinnen, Kakerlaken: Was tun gegen Ungeziefer im Gartenhaus? gezeigt, wie Sie unerwünschte Krabbeltiere & Co. loswerden. Der vorliegende Ratgeber widmet sich den größeren Gästen, die ungebeten ins Haus und Gartenhaus kommen: den Nagern. Lesen Sie, wie Sie erkennen, welches Nagetier sich bei Ihnen im Haus zu schaffen macht und wie Sie es tier- und umweltfreundlich loswerden.

Was sind Nagetiere?

Nagetiere oder Nager (Rodentia) sind mit etwa 2.280 Arten die artenreichste Ordnung innerhalb der Gruppe der Säugetiere. Namensgebend ist das Nagen mit den für Nagetiere typischen Nagezähnen: Jeweils ein Paar davon sitzt in Ober- und Unterkiefer und wächst ein Nagerleben lang nach. Auf Länge gehalten werden die Nagezähne, indem die Tiere an hartem Futter und/oder harten Gegenständen nagen, so dass die Nagezähne stetig abreiben.

Unser Tipp: Der Definition nach gehören an Ihrem Gartenhaus gegebenenfalls „nagende“ Holzwürmer nicht in diesen Ratgeber. Doch keine Sorge – wer nach Hilfe bei Holzwurmbefall sucht, findet hier wichtige Informationen: Die unscheinbare Gartenhaus-Gefahr: Holzwurm und andere Holzschädlinge erkennen und bekämpfen.

holzwurm-larve

Warum gelten Nagetiere als Schädlinge?

Von den oben bezifferten Nagerarten gelten Zwei- bis Dreihundert als Schadnager, weil sie unter anderem Schäden in der Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion anrichten:

  • Entweder fressen Sie die Früchte vom Feld
  • oder wegen ihrer unterirdischen Lebensweise die Wurzeln und Knollen der Pflanzen.

Aber: Der Mensch trägt an dieser Entwicklung die größte Mitschuld, denn er nutzt den einst natürlichen Lebensraum der Nager für seine Zwecke, bewirtschaftet die Flächen und verringert so das natürliche Nahrungsangebot der Nagetiere. Viele sind so gezwungen, sich neue Nahrungsquellen zu suchen.

  • Manche Nagetiere machen sich darüber hinaus auch an bestimmten Dämmstoffen zu schaffen und nagen an Leitungen für Strom und Wasser.
  • Zudem gelten einige Nager als Krankheitsüberträger, allen voran Ratten, denen man bis heute fälschlicherweise nachsagt, sie hätten die Pest im Mittelalter übertragen, gleichwohl das der sogenannte Rattenfloh war, der im Fell von Ratten lebt. Planet Wissen erklärt, dass es zwar stimme, dass Ratten bis zu 120 verschiedene Krankheiten übertragen könnten, dass das jedoch für viele andere Wildtiere auch gelte. Es würden demnach jeweils nur die Krankheiten weitergegeben, die in einer Region sowieso vorkämen. In Europa sei das in extrem seltenen Fällen die sogenannte Leptospirose – eine seltene Infektionskrankheit, die durch Bakterien (Leptospiren), ausgelöst werde. In Deutschland würden daran etwa einhundert Menschen jährlich erkranken.

Gut zu wissen: Weil Ratten und Mäuse auch von Abfällen leben, gelten sie aus menschlicher Sicht als schmutzig, gleichwohl die Tiere penibel reinlich sind und sich mehrmals täglich putzen.

Maus Gitter

Das Image der Nagetiere ist heute mehr schlecht als recht: Viele bekämpfen wir Menschen als Schädlinge. 870 Tonnen Giftköder werden jedes Jahr in Deutschland ausgelegt, um Ratten und Mäuse zu töten. Das Gift lässt die Tiere langsam und qualvoll sterben. Es ist auch für den Menschen höchst giftig und kann auch anderen Haus- und Wildtieren, darunter Schleiereulen und Mäusebussarden, gefährlich werden, die es direkt oder die einen vergifteten Nager fressen. Die Tierrechtsorganisation PETA schreibt, dass „dass solch tödliche Methoden Nager nie langfristig fernhalten und sogar das Gegenteil bewirken können, denn durch die Tötung der Tiere haben überlebende Artgenossen mehr Platz und Nahrung zur Verfügung. Freie Reviere werden blitzschnell wieder besetzt und die Verluste in der Population durch eine erhöhte Fortpflanzung ausgeglichen“.

Wir zeigen Ihnen im Folgenden auf, mit welchen Nagetieren im Haus und Gartenhaus Sie es in unseren Breiten zu tun bekommen können. Sie erfahren außerdem, wie Sie die ungebetenen Gäste loswerden und welche Maßnahmen Sie ergreifen können, um die Nagetiere erst gar nicht einzuladen.

Knusper, Knusper Knäuschen, wer nagt an meinem Häuschen?

Wer

  • nachts Kratz- und Scharrgeräusche hört,
  • Nagespuren und Zahnabdrücke an Kabeln oder Müllbeuteln wie dem gelben Sack bemerkt,
  • einen strengen Geruch nach Ammoniak wahrnimmt,
  • Schleif- und Schmierspuren (vom Körperfett) feststellt,
  • Pfotenabdrücke sieht
  • und/oder Kot in Form kleiner, dunkler Kotpillen findet,

der hat Nagetiere im Haus oder Gartenhaus: Vor allem Mäuse und Ratten kommen hierzulande in Frage.

Maus Gitter Haus

Mäuse und Ratten im Haus und Gartenhaus

Von den weltweit bekannten 65 Rattenarten leben laut Planet Wissen nur zwei Arten hierzulande wild:

  1. Die Hausratte (auch Schiffsratte, Braune Ratte oder Dachratte genannt), liebt es warm und meidet Wasser. Sie ist daher oft auf Dachböden zu finden ist. Planet Wissen sagt auch, dass die Hausratte bei uns sehr selten geworden sei.
  2. Die Wanderratte (auch Gewöhnliche Ratte, Schwarze Ratte, Kanalratte, Wasserratte oder Norwegische Ratte genannt) sei dagegen sehr weit verbreitet. Sie lebt gerne tief unten, mag Wasser, gräbt Gänge und hält sich gerne in Abwasserkanälen auf. Die Wanderratte lebt von dem, was der Mensch die Toilette hinunterspült und sie klettert über ungesicherte Abflüsse in Keller, wo sie sich wohlfühlt. Ihr Nest baut sie üblicherweise außerhalb des Hauses. Tipp: Spülen Sie keine Essenreste die Toilette runter! Dort hinein gehört nur Essen, was einen menschlichen Körper durchlaufen hat, sagen SHK-Handwerker. Schließen Sie Toilettendeckel immer! Die Reste könnten Ratten anlocken.

Bei den Mäusen ist es bei uns vor allem die sogenannte Hausmaus, die in Kellern, auf Dachböden oder in Heizungsschächten anzutreffen ist. Sie nistet gerne nahe der Futterquelle in Nischen, Winkeln, Zwischendecken und Hohlwänden.

Maus auf Brett

Tipp: Die Wühlmaus, auch Schermaus genannt, weil sie die Pflanzenwurzeln „abschert“, finden Sie nicht im Haus und Gartenhaus, sondern im Garten. In unserem Magazinbeitrag Übeltäter im Garten! So werden Sie Pflanzenschädlinge umweltfreundlich los finden Sie Rat, womit Sie Wühlmäuse aus dem Garten vertreiben können.

22 Maßnahmen gegen Mäuse und Ratten im Haus und Gartenhaus

Wir listen im Folgenden auf, was Sie gegen Mäuse und Ratten im Haus und Gartenhaus tun könne, ohne die oben diskutierten Giftköder zu benutzen.

  • Machen Sie Futterquellen unzugänglich!

Nahrung lockt Ratten und Mäuse an. Sie sollten deshalb Futterquellen unzugänglich machen, indem Sie:

  1. Mülleimer (im Haus und außer Haus) fest verschließen,
  2. keine Lebensmittelreste auf den Kompost werfen, insbesondere Fleisch und Knochen,
  3. Schränke und Schubladen regelmäßig säubern, so dass sich darin keine Krümel ansammeln,
  4. Lebensmittelvorräte sicher unter Verschluss halten, beispielsweise in verschließbaren Gläsern und Dosen,
  5. Futter für Ihr Haustier nicht offen stehen lassen
  6. Haustiere und Wildtiere nicht im Freien füttern
  7. Fallobst im Garten aufsammeln
  • Holen Sie sich tierische Hilfe gegen unerwünschten Mäuse und Rattenbesuch!

Natürliche Fressfeine von Mäusen und ratten helfen Ihnen, die Nager zu verscheuchen.

Maus Katze

  1. Eine Katze im Haus oder Gartenhaus hält Mäuse und Ratten fern. Allein schon benutztes Katzenstreu soll die Nager vertreiben, wenn Sie es in Stoffbeutelchen auf deren Wege deponieren.
  2. Marder sind einerseits ein natürlicher Feind von Mäusen und Ratten. Sie eignen sich aber weniger als Mäuse- oder Rattenscheuche, weil sie andererseits schnell selbst zum Störenfried im Haus werden können: Marder drücken Dachziegel hoch und graben Tunnel in Dämmschichten und sorgen so für Undichten im Haus, über die Wärme entfleuchen (Stichwort: unerwünschte Wärmebrücken) und Feuchtigkeit eindringen kann, die die Dämmschicht unwirksam macht oder gar Schimmel entstehen lässt. Gegen Marder sollen laute Musik und Klopfen tagsüber helfen, weil die Geräusche den Schlaf des Nagers stört.
  • Machen Sie mögliche Nagerverstecke an Haus und Gartenhaus zunichte!

Nager verschwinden bei Gefahr gerne schnell in Verstecken. Betrachten Sie Haus und Gartenhaus mit Nageraugen und entfernen Sie alles, was sich als Nagerversteck eignet:

  1. kurzes Gras und gestutzte Büsche legen Laufwege der Nager offen
  2. Stapel aus Gartenmöbeln oder Feuerholz nicht am Haus errichten, sondern in einiger Entfernung im Garten oder in abschließbaren Schutzvorrichtungen lagern
  • Verscheuchen Sie Nagetiere tier- und umweltfreundlich!

Neben Kot weist auch angesammeltes Futter auf Nagetiere im Haus und Gartenhaus hin.

  1. Legen Sie dort strenge Duftquellen aus, zum Beispiel in Ammoniak oder Terpentin getränkte Tücher, getrocknete, fein gestoßene Oleanderblüten, Pfefferminzkraut mit Sand gemischt, meiden die Tiere den Ort.
  2. Auch laute Musik oder Licht soll die Tiere fernhalten.
  3. PETA merkt an, dass handelsübliche Ultraschallgeräte zum Verscheuchen von Nagern je nach Frequenz auch Hund, Katze & Co. verstören könnte.

Ratte Rohr dunkel

  • Suchen Sie Schlupflöcher und verstopfen Sie diese!

Durch Ritzen und Löcher, zum Beispiel zwischen Rohren und Türen, kommen Nagetiere ins Haus.

  1. Suchen Sie gezielt nach solchen Schlupflöchern! Sie können dazu Mehl ausstreuen, auf dem sich die Fußspuren der Nager abzeichnen.
  2. Stopfen Sie die Schlupflöcher sofort zu. Zuerst behelfsmäßig mit Zeitungspapier, so dass die sich gegebenenfalls noch in Hohlräumen aufhaltenden Tiere nicht eingeschlossen werden, sondern nach draußen gelangen können.
  3. Befindet sich kein Nager mehr im Haus und Gartenhaus sollten die Schlupflöcher fachmännisch verstopft werden, beispielsweise mit Isoliermaterial, Bauschaum, feinmaschigem Maschendraht oder einem Metallblech.
  • Siedeln Sie die ungebetenen Gäste um!

Haben Sie Haus und Gartenhaus abgedichtet, können Sie Nager, die noch im Haus sind, lebend fangen und anschließend aussetzen. Achten Sie dabei darauf, dass Sie:

  1. zum Fangen eines Nagers meist mehrere Lebendfallen brauchen.
  2. die Köder (bei Mäusen: beispielsweise Erdnussbutter, Pumpernickel, Käse; bei Ratten: süßer Kartoffelbrei) so in der Falle positionieren, dass der Schwanz der Nager nicht eingeklemmt wird, wenn die Lebendfalle zuschnappt.
  3. die Fallen regelmäßig checken. Ist Ihnen ein laut PETA stündlicher Check unmöglich, müssen Sie keine Lebendfallen aufstellen, da Mäuse und Ratten „nach nur wenigen Stunden an Stress und Dehydrierung sterben“.
  4. die zugeschnappte Falle abdecken, um den Stress der Nager darin nicht unnötig zu steigern.
  5. das gefangene Nagetier möglichst sofort etwa 100 Meter entfernt vom Haus/Gartenhaus aussetzen.

Igel auf Holz

Igel im Haus, Gartenhaus und Garten

Igel sind nützliche Nagetiere im Garten, denn sie fressen Schnecken, Spinnen und die Larven verschiedener Insekten. Damit sind sie gern gesehene Nager im Garten.

Sollte sich ein Igel im Haus oder Gartenhaus einfinden, können Sie ihm laut dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) e. V. mit folgenden Maßnahmen den Umzug ins artgerechte Igelheim im Garten schmackhaft machen:

  • Bauen Sie dem Igel ein Winterquartier! Errichten Sie dazu Laub- oder Reisighaufen, die dem Igel als Unterschlupf dienen können. Pflanzen Sie niedriges Buschwerk, das dem Igel als Nistmöglichkeit dienen kann.
  • Schaffen Sie dem Igel einen igelfreundlichen Eingang in Ihren Garten! Engmaschige Zäune oder Mauern sind für ihn eine unüberwindbare Hürde. Bei einem Lattenzaun können Sie unten eine Öffnung (10 x 10 cm) sägen.
  • Verzichten Sie auf Schädlingsbekämpfungsmittel wie Schneckenkorn und Rattengift und auch auf Kunstdünger im Garten. Die machen Igeln den Garaus.
  • Decken Sie Kellerschächte an Haus und Gartenhaus sowie Gruben im Garten ab, die dem Igel zur Todesfalle werden können.
  • Sorgen Sie mit einer Igeltränke für stets frisches Trinkwasser.
  • Meiden Sie die Rasenfrisur „englischer Rasen“ und exotische Gehölze im Garten.
  • Haben Sie einen Gartenteich? Dann richten Sie dort flache Ausstiegsstellen ein, die igelfreundlich sind. Alternativ können Sie dem Nager eine praktische Ausstiegshilfe aus dem Gartenteich bauen, zum Beispiel eine kleine Rampe mit Stufen.

Weitere Gäste im Gartenhaus

Wir haben Ihnen in unserem Magazin bereits eine ganze Reihe weiterer möglicher tierischer Gäste in Haus und Gartenhaus vorgestellt und gezeigt, wie Sie mit den Mitbewohnern umgehen können:

Auf unserem Pinterest-Kanal haben wir zudem viele schöne Boards zum Thema Haus und Garten für Sie zusammengestellt.

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Artikelbild: ©iStock/DamianKuzdak
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