Überall auf der Welt ist er zu finden: der Garten. Ob 20 oder 399 Quadratmeter, das Fleckchen Grün erfreut jedermann mit bunten Farben und schattenspendenden Obstbäumen. Sollte man meinen, aber wie die Geschmäcker, so sind auch die Gärten verschieden. Von mediterranen über Barock-, bis hin zu Zen-Gärten ist international alles zu finden. Schon lange sind die länderspezifischen Modelle aber nicht nur noch im Ursprungsland zu finden, sondern erfüllen auch andere Gartenbesitzer weltweit mit Freude. Denn mit dem richtigen Know-How lässt sich jedes Modell individuell nachgestalten. Also haben wir uns auf eine Reise durch die Gärten dieser Welt begeben.

Mediterraner Garten – hier herrschen Ästhetik und Eleganz

Der italienische Garten (ital. giardino = Garten) hat seinen Ursprung in der Renaissancezeit und war damals vor allem der Oberschicht vorbehalten. Die Mode, eine Villa am Stadtrand zu haben, um sich auf dem Land zu erholen, war zu dieser Zeit weit verbreitet; und so diente der Garten, oft als ein Teil des Hauses, zur Entspannung vom Alltag. (vgl. Quelle) Später entstand daraus das uns heute bekannte Gartenmodell:

Italienischer Garten mit Statuen

Ein iItalienischer Garten in Verona mit typisch geometrischen Hecken und Statuen.

Aufgrund seines mediterranen Stils ist der italienische Garten äußerlich sofort identifizierbar. Vorherrschend sind geometrische Figuren und Anordnungen, die den abschnittsweise eingeteilten Garten ästhetisch und elegant wirken lassen. Wasserspiele, Brunnen oder Fontänen lockern dabei das strikte Gesamtbild etwas auf, wobei Statuen den Eindruck von vergangenen Römerzeiten erwecken. Dieser Eindruck wird noch verstärkt durch die Bepflanzung mit Zypressen, Olivenbäumen und Buchsbäumchen, die gleichzeitig ein südländisches Feeling versprühen. (vgl. Quelle) Dabei sind alle Bäume geometrisch zurechtgestutzt, um dem Prinzip der damaligen Ästhetik zu entsprechen.

Do It Yourself!

Sie hätten selbst gerne einen italienischen Garten vor der Terrassentür, um auch zuhause in Urlaubsstimmung zu kommen? Ganz einfach!

  • Den Garten in Abschnitte teilen und diese mit Buchsbäumchen abgrenzen
  • Zypressen und Olivenbäume sorgen für südländisches Flair
  • Gewürzbeete mit Thymian, Rosmarin, Salbei und Oregano duften unwiderstehlich
  • Blumenkübel mit Zitronen- oder Orangenbäumchen auf der Terrasse schaffen ein italienisches Gartenparadies
  • Naturstein- oder Terrakotta-Fliesen für Terrasse oder Wege, um den mediterranen Stil zu verkörpern
  • Das alte Gartenhaus einfach umstreichen, damit es sich dem südländischen Stil anpasst. Dafür Mediterrane Farbtöne wie blasses Gelb, Ocker- oder Terrakottafarben verwenden. Wer noch keine Laube hat: Gartenhäuser mit Zeltdach passen am besten ins mediterrane Gesamtbild.
  • Statuen und Wasserspiele zur lebendigen Auflockerung (Quelle)

 

Französischer Barockgarten: Entspannen wie der Sonnenkönig

Wie der Name schon sagt, stammt der französische Garten (frz. jardin = Garten) aus der Zeit um 1700: die Epoche des Barocks. Wie auch der italienische Garten war er damals nur dem Hochadel vorbehalten, der seine Macht durch geradlinige Anordnung von Pflanzen und Statuen, die zum Haus führten, demonstrierte. Denn so stand das Gebäude – meist ein Schloss – im Mittelpunkt. (vgl. Quelle)

Der wohl bekannteste Barockgarten ist der des Schlosses Versailles in Frankreich, der gleichzeitig als vorbildliches Beispiel für das französische Gartenmodell dient. Wie am Schlossgarten erkennbar ist, ist das französische Prinzip der Gartengestaltung geprägt von mathematischen Linien, Symmetrie und Proportion. (vgl. Quelle) Nichts wird dem Zufall überlassen, was nicht nur durch die geometrisch zurechtgestutzten Bäume und Büsche deutlich wird, sondern auch durch die Sichtachse, die den Blick direkt auf das Schloss lenkt. Meistens ist der klassische Barockgarten in drei Bereiche aufgeteilt: Der Parterre-Bereich (Erweiterung des Schlosses), der Boskette-Bereich (Hecken) und der letzte Bereich, der in die Landschaft – meist Wald – übergeht. (vgl. Quelle)

Tuileriengarten in Paris

Der Tuileriengarten in Paris: ein klassischer Barock-Schlosspark.

Do It Yourself!

  • Symmetrie, Proportion und mathematische Linien sind die Grundstruktur
  • Buchsbäumchen als Beet-Einfassung verwenden
  • Hecken, Büsche und Bäume geometrisch stutzen
  • Bepflanzung der Beete je nach Jahreszeit, da nicht alle Pflanzen winterfest sind
  • Nicht zu bunt gestalten
  • Tulpen, Narzissen, Hyazinthen, Stiefmütterchen, Duftveilchen und Aurikeln eignen sich hervorragend zur Beet-Bepflanzung
  • Skulpturen und Wasserspiele setzen zusätzliche Akzente und bilden einen Kontrast zur Striktheit des restlichen Gartens
  • Als Gartenhausersatz kann ein kleiner Pavillon dienen, der den barocken Stil widerspiegelt. Alternativ kann aber auch eine 5-eckige Laube aufgestellt werden, die als moderne Variante des Pavillons gilt und zudem auch für kleine Gärten geeignet ist
  • Gusseiserne, verschnörkelte Gartenmöbel verleihen dem Barockgarten dann noch den letzten Schliff (vgl. Quelle)

The English Cottage Garden – mit viel Liebe zur Natur

Er bildet den krassen Kontrast zum französischen Barockgarten: der Cottage-Garten setzt auf viel Natur und deren Eigenleben. Durch die im 18. Jahrhundert entstandene Gartenform des englischen Landschaftsgartens können Gartenbesitzer ihre Liebe zur Natur wunderbar ausdrücken.

Denn dieses Gartenmodell ist gekennzeichnet durch Wellenlinien, Teiche, Pavillons und gemütliche Lauben. Hier ist kein Platz für strenge, gerade Linien und die Bändigung der Natur. Im Gegenteil, das Grün soll nur so wuchern und auf diese Weise ein romantisches Cottage-Feeling aufkommen lassen. Trotz alledem ist der englische Garten nicht ungepflegt, es wird lediglich nicht mit Pflege übertrieben und der Natur freien Lauf gelassen. Ein Cottage-Garten ist also pflegeleicht und in ihm lässt es sich wunderbar träumen. (vgl. Quelle)

natürlicher Cottage-Garten in England

Der Natur freien Lauf lassen: der Cottage Garden

Do It Yourself!

  • Natürliche Materialien verwenden!
  •  „Mut zur Lücke“: Der Garten soll im Laufe der Zeit von selbst zuwuchern
  • Innere Räume (Beete) festlegen und mit Holzgeflechten oder Steinen abgrenzen
  • Zwiebelpflanzen wie Dahlien oder Gladiolen, aber auch Rosen eignen sich bestens als Beet-Bepflanzung
  • Must-Have: Rosen in allen Arten und Formen (z.B. Kletterrosen). Sie verleihen dem Garten einen romantischen Touch
  • Hecken (z.B. Buchsbaum), Stauden (z.B. Ehrenpreis, Königskerze) und Ziersträucher wie beispielsweise Flieder, aber auch der ein oder andere Obstbaum dürfen nicht fehlen
  • Alles, was irgendwie wuchern könnte, ist erwünscht!
  • Rosen dienen nicht nur der visuellen Beglückung, sondern können als Abgrenzungen die Beete noch voller und farbenfroher wirken lassen
  • Den Garten nicht zu sehr pflegen!
  • Gepflanztes und Gebautes (z.B. Sitzgelegenheiten, Statuen etc.) verschmelzen lassen, denn im Gegensatz zum Barockgarten soll hier die Natur Herr sein, nicht der Gartenbesitzer
  • Durch ein gemütliches Gartenhaus mit Mansarddach, an dem Ihr zum Beispiel Rosen hinaufklettern lassen könnt, kommt nochmal extra Cottage-Feeling auf.
  • Keine Angst vor Verwitterung! Sie verleiht dem Garten nur noch mehr Authentizität, Romantik und Verträumtheit (vgl. Quelle)

Der Garten im fernen Osten setzt auf Ruhe und Harmonie

Willst Du für eine Stunde glücklich sein, so betrinke Dich.
Willst Du für drei Tage glücklich sein, so heirate.
Willst Du für acht Tage glücklich sein,
so schlachte ein Schwein und gib ein Festessen.
Willst Du aber ein Leben lang glücklich sein,
so schaffe Dir einen Garten.

– japanische Weisheit – (Quelle)

Japanischer Garten

Der Japanische Garten bietet Ruhe und Harmonie.

Das japanische Gartenmodell (jap. teien = Garten) steht für Ruhe und Harmonie und folgt mit seinem Prinzip der Ausgeglichenheit der Philosophie des Buddhismus. Entstanden ist es im 11. Jahrhundert, im Zeitraum der Heian-Zeit, in der Japan stark von China beeinflusst wurde. Durch die Nachahmung der chinesischen Kultur wurden schließlich auch Teile der Gartenbaukunst übernommen. Das vorherrschende Prinzip dabei: Feng Shui. Was bedeutet, dass die Lebensenergie fließen soll, also Yin und Yang im Gleichgewicht stehen müssen. Deshalb sind Wege und Gewässer im japanischen Garten nie gerade, sondern krumm. (vgl. Quelle)

Der Grundgedanke der Ruhe und Mediation verwirklicht sich im japanischen Garten durch Wasserspiele, kleine Teiche, niedliche Brücken, aber auch Steine, grüne Pflanzen und farbige Blütenbäume. Beim Betreten eines solchen Gartens ist die Harmonie deshalb förmlich zu spüren, die durch die Kombination der unterschiedlichen Elemente zustande kommt. Jedes einzelne von ihnen hat dabei seine eigene Bedeutung und wird nicht zufällig gesetzt, sondern die Platzierung vorher genauestens geplant. Zusätzliche Pavillons oder Gebetsstätten stellen Aussichtspunkte im japanischen Garten dar, von denen aus immer neuen Perspektiven eröffnet werden. Kleine Wege sollen den Besucher zu ihnen leiten. (vgl. Quelle)

japanischer Zen-Garten mit Bonsai

Bonsai, Steine und japanische Bäume: Das sind die Zutaten für einen Zen-Garten.

Do It Yourself!

  • In den Grundgedanken des japanischen Gartens hineinfühlen, um eine Vorstellung des Gartens zu bekommen
  • Ziel: der Garten soll Ruhe und Harmonie ausstrahlen und zur Meditation anregen
  • Verschiedenen Aussichtspunkte wie beispielsweise Pavillons  oder Gartenhäuser im japanischen Stil (Tempelform) festlegen
  • Wege und Gewässer (oder auch Wasserspiele) anlegen, die nicht geradlinig sind
  • Bambus oder Chinagras versprühen einen Hauch Exotik
  • Ginkgo, Kirschbäume oder Magnolien runden das Gesamtbild ab und verwandeln den Garten in der Blütezeit in ein blühendes Prachtwerk
  • Steine, Steine, Steine! Sie dürfen auf gar keinen Fall im fernöstlichen Gartenmodell fehlen, da sie als Symbol der Vergänglichkeit eine besondere Bedeutung haben und eines der wichtigsten Elemente des japanischen Gartens sind
  • Kleine Steinlaternen oder Brücken peppen den Garten visuell auf und tauchen ihn in ein fernöstliches Licht
  • Prinzip: Weniger ist mehr! (Quelle)

Dieses Prinzip sieht man am ausgeprägtesten in der Sonderform des japanischen Gartens verwirklicht: dem Zen-Garten. Er besteht ausschließlich aus Steinen und dient der Meditation.

Und der deutsche Garten?

Gartenzwerge im Garten

Gartenzwerge: Typisch deutsch?

Ein wirklich deutsches Gartenmodell gibt es nicht. Ok, vielleicht der Schrebergarten mit Standard-Holzgartenhaus oder auch die Invasion der Gartenzwerge, die in so manchem deutschen Garten zu beobachten ist, die aber wohl kaum als richtiges Modell gelten kann. In Deutschland gibt es eher einen Mix. „Ein bisschen von Allem kann ja nicht schaden“ scheint der Leitspruch zu sein. Tatsächlich lassen sich alle möglichen Formen von Gärten in Deutschland finden und oft hat man das Gefühl, die Besitzer sind sich bei der Gestaltung ihres Gartens selbst nicht einig. Der Landschaftsarchitekt Henning Breimann meint dazu:

„Viele Gärten sind leider nach Moden ausgerichtet, nach den Nachbarn oder nach Baumarktprospekten. Früher hatten die meisten Gärten eine Funktion, was ihnen durchaus gut getan hat. Der Hortus conclusus, der geschlossene Garten, war ein Gemüsegarten zur Selbstversorgung. Heute werden Apfelbäume und Gemüsebeete ersetzt durch Engelsstatuen, bunte Kugeln und chinesische Brunnen“ (Quelle)

Natürlich trifft dies nicht auf alle deutschen Gärten zu; und ein schön gestalteter Garten, sei es ein französischer, italienischer oder japanischer, soll doch immer noch dem Gartenbesitzer selbst gefallen und mit Freude erfüllen, egal was andere denken!

 

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