Verwuchert, verwildert und kaum begehbar: So sah der Schrebergarten von Sandra im Remscheid vor gut einem Jahr noch aus. Doch seit die Landschaftsgärtnerin und ihr Mann ihre „Wilde 13“ unter ihre Heckenschere genommen haben, ist daraus ein wilder, und dennoch nutzbarer Garten geworden. „Mein Garten“ lässt Sie in Sandras wildes Reich reinschnuppern.

Aller Anfang ist schwer: Wie die „Wilde 13“ gezähmt wurde

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So sahen der Rasen und der Eingangsbereich aus, als der Garten übernommen wurde.

Sandras Mann wollte eigentlich nie Laubenpieper werden: Bis sich Bekannte der Westenhöfers letztes Jahr einen Kleingarten um die Ecke anlegten.

„Nach einigen Besuchen dort und vielen erholsamen, schönen Stunden kam er dann aber auch auf den Geschmack – und wir schauten uns zahlreiche freie Gärten in der Kleingartenanlage an. Einer davon war extrem verwildert: Er liegt in einem kleinen Seitenweg und war so zugewachsen, dass wir ihn erst gar nicht gesehen haben!“

Seit September 2014 ist die Familie stolzer Gartenbesitzer: Ironischerweise hatte die Parzelle die Nummer 13, was ihr schon nach der ersten Besichtigung den Spitznamen „Wilde 13“ eingebracht hat. Irgendwie wussten die beiden direkt: Dieser Garten oder keiner! Also losgelegt.

Die Schönheit liegt im Verborgenen

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Wo ist denn hier der Garten?

Motorsäge, Freischneider, Heckenschere waren schnell herbeigeschafft: Denn so einiges musste umgeackert, ausgeschnitten, angepflanzt und umgepflanzt werden, bis die „Wilde 13“ so gezähmt aussieht wie heute. Nach dem ersten Schrecken entdeckten Sandra und ihr Mann, die beide beruflich als Landschaftsgärtner tätig sind, die Schönheit im Verborgenen!

„Mit den richtigen Geräten und dem nötigen Know-How ist es eigentlich auch kein Problem. Klar war für uns von Anfang an: Wir wollen keinen sterilen Garten haben, bei dem jeder Zentimeter abgemessen wird, die Rasenkante jede Woche mit der Nagelschere nachgeschnitten wird und der Rasen nicht länger als 2 cm werden darf. Wir wollten einen naturnahen Garten!

So haben wir uns entschieden, die große Rasenfläche im unteren Teil des Gartens als Wildblumenwiese zu belassen – mit zweischüriger Mahd. Außerdem haben wir dort einen großen Baumhof angelegt – mit bislang 8 Obstbäumen (alles ‚alte‘ Sorten). Es ist aber noch Platz für gut 2 weitere Bäume.“

Die Aussicht auf Wuppertal überzeugte

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Ein Ausschnitt aus der Rundumsicht von der Terrasse der „Wilden 13“…

Trotz des Dschungelchaos im Garten haben auch noch andere Faktoren die Familie überzeugt. Sandra erzählt: „Man hat einen unverbaubaren Ausblick ins Bergische Land – Blickrichtung Wuppertal. Eine unvorstellbare Weitsicht mit fantastischen Sonnenuntergängen!“

Trotz der Hanglage der Kleingartenanlage ist Sandras Garten relativ gerade – abgefangen in zwei Ebenen. Die untere Ebene ist Wiese, die obere besteht aus einem Gartenhaus mit großer Terrasse sowie einer Anbaufläche.

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…und so sehen die spektakulären Sonnenuntergänge aus.

Das Gartenhaus als praktisches Juwel

Der zweite Hauptgrund, warum sich Familie für den Schrebergarten der „Wilden 13“ entschieden haben, war das Gartenhaus!

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Das ist das geräumige Gartenhaus der „Wilden 13“.

Vorzüge dieses Gartenhauses sind für Sandra, dass es groß ist, massiv gemauert und in gutem Zustand. Es beherbergt eine Küchenzeile, die mit einem Schrank als Raumteiler versehen wurde und eine moderne Esstisch-Gruppe sowie einen Keller (!) – überdies mit Baugenehmigung – in dem sich die Familie eine Werkstatt bzw. Geräteraum eingerichtet hat.

Wenn Sandra ein neues Gartenhaus bräuchte und sie sich von ihrem geliebten Häuschen trennen müsste, würde sie sich für das Garten- und Freizeithaus Carroz-Modern entscheiden:

„Warum dieses? Weil es schön groß ist und, so wie unseres, eine schöne Unterteilung bietet. Die Innenaufteilung in drei Räume finde ich sehr gut, da man den kleinen Raum als Toilettenraum nutzen und den mittleren Raum zu einer Küche ausbauen könnte. Ich würde das Haus gemütlich-modern, aber auch praktisch einrichten. Bloß nicht zu voll stopfen, das würde die Leichtigkeit der Bauweise zerstören. Sehr schön finde auch ich die überdachte Terrasse!”

Der Teich: Blickfang und Mittelpunkt der „Wilden 13“

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Der Gartenteich ist nicht nur Sandras Lieblingsplatz – manchmal nehmen dort am Steg drei Kinder gleichzeitig Platz und beobachten Flora und Fauna rund um das Gewässer.

Komplett unter Wacholder und Bambus begraben, fand Familie Westenhöfer einen Teich – oder eher eine hässliche Plastik-Teichschale: „Zuerst hatten wir vor, die Schale wegzumachen. Aber nachdem wir im Frühjahr entdeckt haben, dass der Teich mit den verschiedenen Molch-Arten voll war, wollten wir das Biotop nicht zerstören.“

Sandra legte die Umrandung mit losen Bruchsteinen aus, die allesamt in der Kleingartenanlage gefunden wurden. Außerdem wurde ein kleiner Steg gebaut. Das Ganze ist mittlerweile so richtig schön in die Wildblumenwiese eingewachsen.

„So ist aus dem unscheinbaren Teich ein richtiges Kleinod geworden – der Haupt-Blickfang in unserem Garten und mein Lieblingsplatz. Und ein wahrer Anziehungspunkt für unseren Sohn und seine Freunde, die hier oft sitzen und Tiere und Pflanzen rund um den Teich aufmerksam beobachten. Hier kann man so richtig die Seele baumeln lassen!”

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Der Teich im Frühjahr, nachdem Sandra gesammelte Bruchsteine um den Teich verteilt hat.

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Genau wie es Sandra und ihr Mann Armin wollten: Im Garten tummeln sich viele Naturbewohner und Molch-Arten.

Der Kräutergarten und Gemüseselbstversorgung

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Bruchsteine im Kräutergarten speichern die Wärme – so wachsen Rosmarin, Basilikum und Co. hervorragend!

Sandra kocht sehr gerne mit Kräutern, deshalb durfte auch die Anlage eines Kräutergartens auf keinen Fall fehlen:

„Ich dachte zuerst an eine Kräuterspirale, habe mich dann aber entschlossen, den Hang oberhalb der Gemüse-Anbaufläche als Kräuterbeet umzugestalten. Ein paar große Bruchsteine lockern das Ganze optisch auf und haben einen tollen Nebeneffekt: Die wärmeliebenden Kräuter gedeihen dort richtig gut, weil die Steine tagsüber die Sonnenwärme speichern und so auch am kühlen Abend noch für Wärme sorgen.“

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Die Kräuter lieben die Wärme und den Sonnenschein, den sie dank der Ausrichtung der „Wilden 13“ zu Genüge bekommen.

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Anbaufläche im Frühjahr – die ersten Pflänzchen gedeihen schon…

Auch die Anbaufläche war natürlich total verwildert: Nach mühseligen Umgrabe-Arbeiten wurde deshalb eine Bodenverbesserung vorgenommen –mit Sand, Naturdünger (u. a. Hornspäne, Pferdemistpellets), Kalk und frischer Komposterde entstand wieder eine Ackerfläche, die bereits in diesem Jahr hohe Erträge an Kohlrabi, Möhren, verschiedensten Kohlarten, Mangold, Spinat, Sellerie, Gurken, Zucchini und noch vielem mehr abgeworfen hat. Sandra: „Was das Gemüse angeht, sind wir zumindest seit Juli nahezu Selbstversorger.“

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Im Juli konnte die Familie schon richtig viel ernten. Die Arbeit hat sich gelohnt!

Sandras Gartentipp: Vorhandene Naturmaterialien aufpeppen

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Eine alte Baumwurzel sorgt für einen optischen Blickfang.

Hangflorsteine würden Sandra niemals in den Garten kommen – sie persönlich liebt es, vorhandene Naturmaterialien „aufzupeppen“: „Deshalb habe ich auch die Bruchsteine für den Teich gesammelt und keinen Kies im Baumarkt gekauft, der dort optisch gar nicht hingepasst hätte. Selbst eine alte Baumwurzel, so wie in unserem Kräuterbeet, kann für ein optisches Highlight sorgen, wenn man sie nicht direkt weghackt.“

Natürliche Materialien passen sich harmonisch in den Garten ein, machen einfach eine runde Sache draus. Und das Beste ist: Man kann sie meist kostenlos am Wegesrand finden.

Die „Wilde 13“ ist mittlerweile also schön gezähmt. Der Name passt trotzdem immer noch: Der viele Wildblumen wegen – „und so schließt sich am Ende der Kreis doch“, lächelt Sandra.

Über Sandra und ihre Familie:
Familie westenhöfer-GrammethSandra, die mit ihrem Mann Armin und ihrem gemeinsamen 5-jährigen Sohn Severin in Remscheid lebt, hat ihren Schrebergarten im Remscheider Kleingartenverein Steinberg-Heidhof e.V. letztes Jahr in verwilderten Zustand übernommen. Auf ihrem Blog Tausend-Gartenideen schreibt die Landschaftsgärtnerin regelmäßig über all jenes, was Gartenbesitzer interessiert und gibt mit ihrer langjährigen Erfahrung praktische Tipps rund um Pflanzen, aber auch zum Einkochen von Gemüse.

Bilder: © tausend-gartenideen.de