Zweifellos ist ein kundig zelebrierter Aufguss der Höhepunkt eines jeden Saunagangs. Wenn das Wasser zischend auf den heißen Steinen verdampft und der Wohlgeruch einer gut gewählten Duft-Essenz den Raum erfüllt, lassen wir den Alltag und alle womöglich belastenden Gedanken hinter uns.  Für das Gelingen dieser Momente reinen Genießens ist es nicht unwichtig, welcher Saunaduft verwendet wird, denn Düfte wirken nicht nur physisch, sondern beeinflussen auch Stimmungen, Gefühle und Gedanken.

Düfte wirken am Verstand vorbei

Während wir die Augen von etwas abwenden und die Ohren zur Not verstöpseln können, sind wir Gerüchen weitgehend ausgeliefert. Düfte wirken direkt auf das limbische System im Gehirn, das Emotionen und Stimmungen steuert. Auch Erinnerungen werden durch Gerüche aus der Vergessenheit geholt, weshalb ihre Wirkung individuell verschieden sein kann. Ein Duft, der allgemein positiv empfunden wird, wie etwa Vanille oder Orange, kann im Einzelfall abstoßen, wenn jemand in der Kindheit von diesem Duft begleitete unangenehme Erlebnisse hatte.

In Supermärkten, Aufzügen, Backstuben und Hotels nutzt man das Wissen um die Wirkung bestimmter Gerüche lange schon zur Beeinflussung unseres Befindens. Wäsche spült man nicht nur weich, sondern wählt mit dem Weichspüler auch gleich eine bestimmte Duftnote. All das fällt uns selten auf, es bleibt unbewusst, wogegen eine Aufgussessenz sich schlagartig ausbreitet und mit vollem Bewusstsein wahrgenommen wird. Wer diese meditativen Augenblicke zur Selbstbeobachtung nutzt, wird auch Unterschiede in der Wirkung verschiedener Düfte bemerken, sowohl während des Aufgusses als auch danach.

Eigene Sauna = freie Duftwahl!

In öffentlichen Saunen hat man selten Einfluss auf die Wahl des Duftes, der mit dem nächsten Aufguss zur Anwendung kommt. Da der Trend in Richtung „Erlebnissauna“ geht und die Unternehmen in Konkurrenz zu anderen stehen, hat sich mancherorts ein Wettbewerb um die abenteuerlichsten Saunadüfte entwickelt: Aufgüsse mit Bier, Amaretto oder gar Knoblauch haben schon manchen Saunagast in die Flucht getrieben. Gelegentlich werden mentholhaltige Essenzen überdosiert, so dass es den Gästen die Tränen in die Augen und (gefühlt) kalte Schauer über die Haut treibt. Und manche Saunameister meinen, sie müssten olfaktorische Kunst erschaffen und mischen Düfte mal eben zusammen, die einzeln wunderbar, aber gemischt nach alten Socken riechen.

Wer über eine eigene Sauna verfügt, braucht derlei Flops nicht zu fürchten, sondern kann frei wählen, welcher Duft jetzt am besten zur eigenen Stimmung passt – oder zu der, in die man gerne kommen würde.

Saunazubehör

Wählen Sie den Saunaduft nach Ihren individuellen Vorlieben.

Tipps zur Wahl des passenden Saunadufts

Abgesehen von den erwähnten individuellen Ausnahmen aufgrund persönlicher Erlebnisse wirken verschiedene Duftessenzen auf die meisten Menschen ähnlich, zumindest in derselben Kultur. Das Wissen um die jeweiligen Wirkungen beschränkt sich bei vielen jedoch auf wenige prägnante Düfte, wie etwa den reinigenden Einfluss von Eukalyptus auf die Atemwege oder den romantisch stimmenden Duft edler Rosen. In der eigenen Sauna kann man nun frei mit vielerlei Essenzen experimentieren, wofür wir im folgenden einmal auflisten, welche im Saunabereich üblichen Düfte welchen Wirkungen zugeordnet werden. Da die meisten Düfte mehr als eine Wirkung entfalten, gibt es Überschneidungen.

  • Anregend: Anis, Bergkräuter, Birke, Zitrone, Eisminze, Fichtennadel, Grapefruit, Grüner Apfel, Ingwer, Limone, Orange, Mandarine, Rosmarin, Salbei, Thymian, Wacholder,
  • entspannend: Flieder, Geranie, Grüner Tee, Heublume, Holunderbeeren, Honig, Jasmin, Kamille, Lavendel, Lindenblüte, Melisse, Neroli, Rosenholz, Vanille, Zimt
  • aufmunternd: Akazienblüte, Ananas, Banane, Bergamotte, Zitrone, Erdbeere, Grüner Apfel, Kiwi, Kokos, Limone, Mango, Orange, Pfirsich, Rose, Sandelholz, Tanne, Ylang Ylang;
  • beruhigend: Akazienblüte, Alpenkräuter, Anis-Fenchel, Bambus, Bergkräuter, Erdbeere, Flieder, Grüner Tee, Heublume, Holunderbeeren, Schoko, Vanille, Waldfrüchte, Zimt.
  • erotisierend: Patchouli, Rose, Rosenholz, Sandelholz, Ylang Ylang, Zimt.
  • Konzentriered: Basilikum, Pfefferminze, Zypresse, Rosmarin, schwarzer Pfeffer, Zitrone;

Im Bereich der Aromatherapie werden den Düften (vornehmlich in Form ätherischer Öle) oft weit konkretere psychische Wirkungen zugeschrieben, wobei ungewiss bleibt, aus welchen Quellen die Autoren schöpfen. Da es beim Saunieren ja nicht um Therapie, sondern um schlichtes Wohlbefinden geht, kann man manches einfach ausprobieren und wird dann sehen, ob was dran ist an den oft ein wenig esoterisch wirkenden Zuschreibungen. Ein paar Beispiele:

  • gegen Unsicherheit: Weihrauch, Vetiver, Bergamotte, Zedernholz, Sandelholz, Jasmin
  • gegen Einsamkeit und Langeweile: Bergamotte, Weihrauch, Rose, römische Kamille, Muskatellersalbei, Palo Santo
  • gegen depressive Verstimmungen: Römische Kamille, Geranie, Muskatellersalbei, Jasmin, Rose, Zitrone, Ylang Ylang, Grapefruit, Weihrauch, Orange, Bergamotte, Lavendel, Neroli, Mandarine, Sandelholz
  • gegen Angstzustände: Bergamotte, Geranie, Lavendel,Salbei, römische Kamille, Weihrauch, Patschuli, Mandarine, Sandelholz, Neroli, Rose, Vetiver, Zedernholz

Aufgussessenzen, Saunadüfte, ätherische Öle – ja was denn?

Wer sich in die Kunst der richtigen Anwendung und Dosierung natürlicher ätherischer Öle einarbeiten will, kann zu den kleinen Fläschchen mit den oft sehr teuren hoch konzentrierten Essenzen greifen. In den Saunaeimer kommen hierbei immer nur wenige Tropfen. Einfacher zu handhaben sind spezielle Aufgusskonzentrate für die Sauna, die im Handel vielfach angeboten werden. Über deren Güte gehen die Meinungen naturgemäß auseinander: Während der (öffentliche Saunabetriebe vertretende) Deutsche Saunabund ein Gütesiegel verteilt, das nur Duftmischungen aus „natürlichen oder naturidentischen Aromen in stets gleichmäßig hoher Qualität, ohne zugesetzte künstliche Bestandteile, Farbstoffe und Aromaverstärker“ akzeptiert, gibt es nicht wenige Saunadüfte bzw. Marken, die auch „siegellos“ gern gekauft, genutzt und genossen werden. Und noch dazu Puristen, die wiederum die Kriterien des Saunabundes als viel zu lasch empfinden.

Da es hier sehr auf die individuellen Ansprüche ankommt, die man an die Zusammensetzung eines Saunadufts stellt, beenden wir diesen Artikel mit einer Empfehlung, bei der sich alle einige sind: Keinesfalls sollte man „irgendwelche Öle“ benutzen, die für andere Zwecke gedacht sind, wie etwa Hautöle, Massageöle oder Parfüms!

Und jetzt wünschen wir viel Freude bei wundervoll duftenden Aufgüssen!