Nachdem wir kürzlich das Thema Sichtschutz im Garten mit Hecken und Sträuchern besprochen haben, soll es diesmal um Kletterpflanzen gehen. Denn nicht in jedem Garten gibt es Platz genug für eine richtige Hecke, die ja in der Breite zwischen 80cm und zwei Metern Raum einnehmen kann, je nachdem welche Sträucher man wählt. Doch Sichtschutz geht auch anders und muss nicht immer an der Grundstücksgrenze stattfinden: Will man zum Beispiel eine Sitzecke vor Blicken schützen, reichen auch Rankgitter und die im Handel erhältlichen Sichtschutzelemente.

Lässt man sie von Kletterpflanzen beranken, entsteht eine wunderschöne „grüne Wand“, die nicht nur die Privatheit sichert, sondern die ganze Umgebung optisch aufwertet.

Im Folgenden wollen wir einige Aspekte und Kriterien ansprechen, die bei der Auswahl der passenden Kletterpflanze zu beachten sind. Los gehts:

Selbstklimmer, Ranker oder Schlinger?

wilder WeinNicht jede Kletterpflanze kann jede Art Kletterhilfe nutzen, deshalb sollte man sich vorab entscheiden, welche Pflanzen für die eigene Gartensituation in Betracht kommen. Die sogenannten Selbstklimmer benötigen feste Wände wie Mauern oder geschlossene Sichtschutzzäune, wo sie sich mit ihren Haftscheiben oder Haftwurzeln eigenständig festhalten. Wilder Wein, Efeu und die Kletterhortensie sind typische Vertreter dieser Art. Sie brauchen kein zusätzliches Gerüst, sind aber zu Beginn für eine Unterstützung ihres „Aufwärtsdrangs“ mittels Leitschnüren dankbar.

Im Unterschied zu den Selbstklimmern benötigen die sogenannten Ranker Unterstützung in Form von Gittern aus Metall oder Holz. Echter Wein, wilder Rankwein oder die beliebte Clematis hangeln sich mit ihren spiralförmigen Rankorganen nach oben und halten sich an allem fest, was in ihre Reichweite gelangt. Geschlossene Wände bieten ihnen keinen Halt, an Zäunen mit schmalen Streben oder Drahtseilkonstruktionen hangeln sie sich allein nach oben.

Die beliebten Kletterrosen, deren sommerliche Blütenbracht in jedem Garten zum Highlight wird, sind sogenannte Spreizklimmer. Sie benötigen waagerechte Kletterhilfen, an denen sie sich mit ihren Stacheln festhalten. Rankgitter oder horizontal gespannte Drahtseile geben ihnen Halt. Entscheidet man sich für die attraktiven Blühwunder, sollte man allerdings bedenken, dass sie im Lauf der Jahre immer breiter werden und locker den Platz einnehmen, den auch eine Hecke benötigt hätte.

Die Schlinger bzw. Schlingpflanzen haben keine speziellen Kletterorgane. Sie umwachsen mit ihren Trieben senkrecht gespannte Seile oder Zäune mit dünnen Streben, indem sie sich rechts- oder linksdrehend nach oben winden. Die meisten Schlinger sind Rechtsschlinger wie z.B. Winden, Geißblatt und Blauregen. Der schnell wachsende Hopfen (nächstes Foto) ist dagegen ein Linksschlinger. Bei kräftigen Schlingern wie dem Blauregen, dessen Triebe über die Jahr zu dicken Ästen werden, braucht es sehr stabile Stützkonstruktionen, damit nicht irgendwann die Stütze unter dem Gewicht der Pflanze zusammen bricht. Einjährige Schlinger wie Schwarzäugige Susanne und Prunkwinde kommen auch mit dünnen Drähten und Schnüren zurecht.

Hopfen

Einjährige oder dauerhafte Kletterpflanzen?

Dauerhafte Kletterer, Ranker und Schlinger entwickeln sich erst im Lauf mehrerer Jahre zu stattlicher Größe und Dichte, wogegen einjährige Kletterer sehr schnell wachsen und der Sichtschutz im späten Frühjahr bzw. frühen Sommer schon komplett ist. Eine dauerhafte Pflanze bietet sich an, wenn man sich sicher ist, dass der Sichtschutz am gewählten Ort über viele Jahre Bestand haben soll. Einjährige Gewächse bieten den Vorteil der möglichen Abwechslung, zudem benötigen sie normalerweise keinen Beschnitt und sind etwas pflegeleichter als die ausdauernden Kletterer. Efeu, immergrünes Geisblatt, wilder Wein und Blauregen gehören zu den beliebtesten Langzeit-Begrünern, wogegen Feuerbohnen, Trichterwinden, Kapuzinerkresse und Passionsblume nur für eine Saison unsere Augen erfreuen – dafür dann mit einer starkfarbigen Blütenpracht, die nur ganz wenige dauerhafte Gewächse bieten können.

Die Passionsblume mit ihren besonders spektakulären Blüten wird zwar oft zu den „Einjährigen“ gezählt, doch liegt das ausschließlich am Klima. Sie ist hierzulande nicht winterhart, überlebt aber gelegentlich milde Winter und blüht dann auch im zweiten Jahr.

Passionsblume

Laub abwerfend oder immergrün?

Hat man sich für dauerhafte Kletterer entschieden, stellt sich die Frage nach dem Blattschmuck: Wünscht man einen immgrünen Sichtschutz oder wählt man eine Laub abwerfende Variante? Da es nicht allzu viele Immergrüne gibt und der Sichtschutz meist nur in den warmen Jahreszeiten benötigt wird, wenn man auch gerne draußen sitzt, fällt die Wahl vermutlich nicht allzu schwer. Hilfreich ist auch die Positionierung des geplanten Sichtschutzes: Immergrüne Kletterer fühlen sich an schattigen oder halbschattigen Orten wohl, laubabwerfende bevorzugen Südlage. Soll der Sichtschutz also auch als Sonnenschutz funktionieren, kommen nur Letztere in Betracht.

Efeu und das immergrüne Geißblatt sind hierzulande die einzigen Kletterer, die auch im Winter grün bleiben. Allerdings nur „im Prinzip“, denn auch Efeublätter werden in harten Wintern bräunlich und das Geißblatt dünnt deutlich aus. Kiwi und Knöterich gehören zwar zu den Laubabwerfenden, doch verlieren sie ihre Blätter sehr spät und treiben schon früh aus, verlängern also die „grüne Phase“ deutlich. Der Wilde Wein in allen Varianten wirft sein Laub im Winter ab, erfreut aber zuvor das Auge durch eine besonders bunte, attraktive Herbstfärbung. Blauregen, Clematis und Kletterhortensie werfen ebenfalls komplett ihr Laub ab.

Mehr Infos zu Kletterpflanzen und Kletterhilfen

Wie aus diesem kurzen Überblick hervor geht, sollte man einen Sichtschutz aus Kletter-, Rank- oder Schlingpflanzen vorab genau planen. Da es den Rahmen dieses Magazins sprengen würde, jede in Betracht kommende Pflanze zu portraitieren und alle erdenklichen Kletterhilfen zu beschreiben, verweisen wir im Folgenden auf nützliche Seiten im Web, die vertiefende Informationen bieten.

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