Wie begeistern wir Kinder fürs Gärtnern? Welche Gartenarbeit passt in Kinderhände? Wie laut dürfen Kinder im Garten sein und welche Spiele sind kind- und gartengerecht? Fragen über Fragen, die wir gerne beantworten.

Für Kinder steckt ein Garten voller Möglichkeiten. Er ist ein Spielplatz im Freien. Ein Platz, um sich mit dem Werden, Wachsen und Vergehen des Lebens zu beschäftigen. Er ist Begegnungsstätte mit Kleinstlebewesen und Pflanzen. Er ist Werkstatt und Feld zugleich. Er schult die Sinne für die leisen Töne und die langsamen Bewegungen der Natur. Er bringt Erkenntnisse hervor und lässt Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen. Er weckt Neugier, Leidenschaft und füllt die Sinne.

Für Erwachsene mit Verantwortung für Kinder, seien es Eltern oder Großeltern, Nachbarn oder Freunde, ist ein Garten zunächst mal ein Aufenthaltsraum mit Zaun drum herum. Abgegrenzt. Sicher. Doch während sich die heutigen Großeltern oft an stundenlange Spielzeiten im Garten erinnern können, die vor allem eins waren: nämlich unbeaufsichtigt, fragen sich Eltern heute: Wie und womit beschäftigen wir unsere Kinder im Garten? Die Antwort auf diese Frage ist so einfach wie kompliziert: Lassen wir die Kinder sein, was sie sind: Kinder!

Kinderlärm im Garten

Das heißt zum Beispiel, dass die Kinder nach Lust und Laune rennen, hüpfen und toben dürfen. Ohne die alltäglichen Einschränkungen einer Wohnung, einer Stadt. Lachen, Juchzen, Schreien – ist erlaubt. Wer sich Sorgen um die Nachbarn macht, die der Kinderlärm stören könnte, sollte wissen: Es gibt keine einheitliche Verordnung zum Nachbarschaftsrecht, die Kinderlärm regelt.

Die Gerichte urteilen oft, dass Kinderlärm auch im Garten natürlich sei und hingenommen werden müsse. Nicht auf Dauer, ganz klar. Dann hätte der Nachbar durchaus das Recht, sich zu beschweren. Gegen einen allzu hohen Lärmpegel während der vielerorts üblichen Ruhephasen über Mittag hilft bei uns Beschäftigung. Im Wechsel mit freiem Spiel genießen viele Kinder einen ruhigeren Zeitvertreib und die Anregungen der Großen.

Spielende Kinder im Kinderspielhaus

Kirschen aus Nachbars Garten

Immer wieder mal ein Grund für Streit am Gartenzaun ist das Obst, das darüber hängt. Solange es am Ast hängt, gehört es dem, auf dessen Grundstück der Baum steht beziehungsweise dem Baumbesitzer. Fällt das Obst runter, gehört es dem, auf dessen Seite vom Zaun es landet. Kinder müssen solche Gartenrechte lernen. Das braucht Geduld und Verständnis – von beiden Seiten des Gartenzauns.

Gärtnern ist für Groß und Klein

Die Chance, den Garten mit allen Sinnen zu entdecken, sollten wir Großen den Kleinen nicht nehmen. Es gibt kaum Altersbeschränkungen in Sachen Gartenarbeit: Vom Bodenvorbereiten, Säen und Pflanzen, übers Unkrautjäten, bis hin zum Ernten (Naschen ist jederzeit erlaubt!) und Verarbeiten der Ernte gibt es kaum etwas, was die ganz Kleinen nicht ebenso gut anpacken können wie die Größeren und Großen. Vorausgesetzt: Wir Erwachsenen haben ein Auge drauf und kennen den Garten gut. Das Schöne am Garten ist, dass er für jedes Alter Beschäftigung bietet. Die besten Tipps zum Anpflanzen, finden Sie auf unserem Pinterest-Board „Tipps zum Anpflanzen im Garten„.

Die Leidenschaft fürs Gärtnern wecken

Die Liebe zum Gärtnern geht durch den Magen. Sie beginnt bereits auf dem Teller am Familientisch. Angesichts grüner Kullererbsen, oranger Möhren und goldgelber Kartoffeln wird Neugier geweckt, woher das Buntzeug wohl kommt. Kein Buch, keine noch so lehrreiche TV-Sendung ersetzen die Entdeckungsreise zum Ort des Essenwuchses. Und so gilt es für die Erwachsenen im Bunde im Garten nur noch, die Erbse, Möhre oder Kartoffel vom Teller mit dem Erbsenbusch und ihren Schoten, dem Möhrenkraut und seinen Wurzeln und dem krautgekrönten Kartoffelhügel über dem Knollenschatz zu verbinden. Keine große Sache, oder?

Dass Kinderaugen mitunter bunte Blumen, in Reih und Glied stehende Grashalme und zurechtgestutzte Büsche anders sehen und nehmen als deren stolze Heger und Pfleger, ist eine Sache, die wir im Garten mit Kindern erleben werden. Seien wir offen für das, was die Kinder daraus machen: Landeplätze für fliegende Fabelwesen, Vasenfüllung und Haarschmuck, Spielwiese, Fußballplatz und Regenwurmausgrabungsstätte, Klettergerüst, Höhle und Holzvorrat.

Eine Bindung zum Garten wächst über die Verantwortung für einen Teil davon. Überlassen Sie den Kindern doch ein Gartenbeet oder eine Pflanze zum Sich-darum-Kümmern. Stehen Sie den Kindern mit gutem Rat zur Seite, wenn sie danach verlangen. Doch lassen Sie sie auch ihre Fehler machen! Ein mit dem Gießwasser ausgeschwemmtes Pflänzchen führt schon beim nächsten Guss zu mehr Vorsicht. Für solch eine Lehrstunde braucht ein Kind keinen belehrenden Erwachsenen.

Extra Gartengeräte für kleine Hände?

Beim Beantworten dieser Frage scheiden sich die Geister: Die einen befürworten die Anschaffung moderner kinderhand- und kindgerechter Gartenwerkzeuge, wir empfehlen stattdessen, sich mit Löffeln, Kellen & Co. aus der Küche zu behelfen. Denn das hilft auf jeden Fall dem Improvisationsvermögen der Heranwachsenden auf die Sprünge.

Spielplatz im Garten

Kein Kinderherz schlägt ganztags für die Gartenarbeit. Deshalb ist ein Platz für freies Kinderspiel im Garten eine Empfehlung wert. Vom Sandkasten, über Torwand und Basketballkorb bis hin zu Wippe, Schaukel oder Klettergerüst – es gibt viele Spielgeräte, die Kinderherzen höher schlagen lassen. Und ein Spielzeughaus reizt selbst die Kinder noch als Rückzugsort, die sich schon gehörig bücken müssen, um dort reinzukommen. Sind Kinder alt genug für einfache Spielregeln, klappt’s auch damit, dass sie im Sandkasten buddeln und nicht im Blumenbeet. Den Computerkindern unter den Heranwachsenden kann man den Garten als Experimentierfeld verkaufen: für Fotografie (Gucken), Videodreh (Hören und Gucken) und mehr. So mancher entdeckt seine Liebe zum Garten mit dem Handy in der Hand. Kein Problem, das sind die Kinder von heute!

Kinderspielhaus im Garten

In einem Kinderspielhaus können Kinder ihrer Kreativität freien Lauf lassen, z.B. im Spielhaus Crazy Playhouse.

Mein Dutzend Spiel- und Beschäftigungsideen für Sonnen- und Regentage im Garten

Hier kommen unsere Lieblings-Ideen zum Zeitvertreib für Kinder im Garten:

  • Botaniker: Schon kleine Kinder merken sich komplizierte Pflanzen- und Tiernamen. Mit einem schlauen Naturführer in der Hand, marschieren wir gemeinsam durch den Garten und üben uns in Latein. Wer auf dem Rückweg die meisten Namen noch weiß, hat gewonnen.
  • Das weltbekannte Spiel „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ geht im Garten auch mit: Ich höre was, fühle was oder rieche was, was Du nicht hörst, riechst oder fühlst. Kinder können das Spiel endlos spielen.
  • Wasserspieler (im Sommer): Im Handel gibt’s heutzutage unzählig Wasserspielzeuge für den Garten. Doch die Klassiker Gartenschlauch, Rasensprenger und Waschzuber können da nach wie vor mithalten. Spaß und Abkühlung sind garantiert, wenn Wasser und Kinder aufeinandertreffen.
  • Schatzgräber: In jedem Garten steckt ein Bodenschatz. Wir buddeln gemeinsam Löcher und schauen buchstäblich, was dabei raus kommt: Wurzeln, Würmer und Wasser – um nur die drei großen Ws anzusprechen. Größere Kinder können verschiedene Böden in einem Glas aufschichten, Blätter dazugeben und Regenwürmer beim Vermengen der Böden beobachten.
  • Erntetauscher am Gartenzaun: Wir gehen mit einem Körbchen durch den Garten und nehmen mit, was es an Essbarem gibt. Je bunter die Mischung, desto besser: Dann überlegen wir gemeinsam, was an Zutaten für welche Speise da ist. Sollte uns mal was fehlen, nehmen wir das Körbchen mit zum Gartenzaun und bitten den Nachbarn um ein Tauschgeschäft. So lernen die Kinder, was gute Nachbarschaftshilfe ist.
  • Von der Hand in den Mund: Wir holen ein Gemüse oder eine Frucht, das / die der Garten gerade hergibt, und bereiten gemeinsam verschiedene Essen daraus zu! So lernen die Kinder die Vielfalt von Nahrungsmitteln kennen und schätzen.

Mädchen pflückt Äpfel im Garten

  • Maler mit Gartenfarben: Blüten, Stengel und Blätter enthalten verschieden farbige Säfte, die man mit etwas Druck auf Papier auspressen kann. Mehrfarbige Bilder entstehen so im Nu.
  • Kräuter-Kunde: Aus würzigen Kräutern einen Tee zuzubereiten, das können schon die Kleinsten, wenn Erwachsene beim Wasserkochen dabei sind. Die Größeren können es mit einem selbst gemachten Pesto (aus klassischen Kräutern oder Möhrenkraut) versuchen.
  • Regentropfenzähler: Mit regenfestem Gummizeug ausgerüstet, sind wir auch bei Regen draußen und nehmen uns einmal ausgiebig Zeit für das Beobachten von Regentropfen. Während diese in der Stadt meist unbeachtet auf den Gehweg plumpsen, nehmen sie im Garten zig Wege über Blätter und Äste, bis sie im Erdboden versickern. Man kann sie zählen und zum Trinken mit der Zunge auffangen.
  • Klettermax: Ein knorriger Kletterbaum ersetzt so manches gekaufte Spielgerät. Verstecken Sie Ihre Ängste und Sorgen und lassen Sie die Kinder klettern, was der Baum hält. Es gibt wohl kaum einen schöneren Zeitvertreib in der Natur, als aus einem Baumwipfel in die weite Welt zu schauen.
  • Stein auf Stein: Ein Haufen kleinerer Feldsteine, selbst gesammelt auf Spaziergängen, kann stundenlag als Baumaterial dienen: Burgen, Häuser, Beetumrandungen – kleine Baumeister sind voller Ideen.
  • Flechtwerker: Aus Gänseblümchen oder Löwenzahn lassen sich Blumenkränze für Köpfe, Arme und Finger flechten. Wer es weniger blumig mag, sucht sich biegsame Zweige und versucht sich an einem Körbchen.

Schleimspur und Krabbelbein

Ein gesunder Garten beherbergt jede Menge Kleinstlebewesen: Schnecken, Käfer, Würmer. Wir Erwachsenen dürfen nicht vergessen, dass Kinder solchen Tieren womöglich im Garten zum ersten Mal begegnen. Deshalb halte Sie bitte Ihre Reaktion („Iiieeh!!!“) geduldig zurück, sonst verfälschen Sie die natürliche Art und Weise, auf die die Kinder sich einem Tier nähern, mit Ihren Erfahrungen, Ihren Vorurteilen. Greifen Sie nur ein, wenn Kindern und / oder Tier Gefahr droht. Erklären Sie dem Kind bei Bedarf, was es beobachtet – was das Tier tut und warum es das tut. Nennen Sie dem Kind altersgemäße, einfache Verhaltensregeln zum artgerechten Umgang mit dem Tier. Auf das der Respekt zwischen beiden ein Leben lang bleibe!

Zu Risiken und Nebenwirkungen

Jeder Garten kann zum Unfallort werden, keine Frage. Doch die Gefahrenstellen sind überschaubar, wenn Sie den Garten kindgerecht gestalten. Die wichtigsten Tipps zu giftigen Pflanzen, Wasserstellen und Stromquellen haben wir für Sie zusammengestellt. Außerdem sollten Sie auch das Kinderspielhaus sicher machen.

zwei süße Kleinkinder unter Apfelbäumen

Sie suchen zusätzliche Inspiration zum Thema Kinder und Garten? Schauen Sie doch auf unserem Pinterest-Kanal vorbei. Dort haben wir eine Vielzahl an schönen Boards zum Thema zusammengestellt.

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Artikelbild: ©iStock/FamVeld
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