Originelle Gartenhäuser haben wir schon viele vorgestellt, doch die professionelle Sternwarte, die der Hobbyastronom Günter Knerr auf Basis einer Sonderanfertigung erschaffen hat, toppt sie alle. Schauen Sie zu, wie das spektakuläre Projekt mit fahrbarem Dach Schritt für Schritt entsteht – mitsamt 24“ Spiegelteleskop für die Suche nach fernen Planeten in den unendlichen Weiten des Universums!

45 Jahre Himmelsbeobachtung: Start im Gartenhaus

Wie kommt man auf die Idee, ein Gartenhaus als Sternwarte zu nutzen? Günter Knerr ist mit Leib und Seele Amateurastronom und beobachtet das All nicht erst seit gestern. Zur Vorgeschichte schreibt er uns:

„Bereits die erste Sternwarte, die ich in den Siebzigern hatte, war der Umbau eines Gartenhauses. Mein Vater hat für die Beobachtungsmöglichkeit das Dach geteilt und auf Rollen gesetzt. Damit war das Instrumentarium geschützt und für Beobachtungen verschiebbar.“

Von diesem Gartenhaus gibt es noch ein historisches Foto, das den jugendlichen Astronomen mit einem der beiden Teleskope zeigt, die in diesem Gartenhaus nacheinander genutzt wurden.

Erste Gartenhaus-Sternwarte

Diese erste Sternwarte wirkte noch ein wenig rustikal und hobbyhaft, doch das sollte sich schnell ändern:

„…als die Aufstockung des Wohnhauses einen Neubau erzwang. Dieses Mal nicht aus Holz, sondern gemauert und mit zwei Etagen. Nun aber kam eine klassische Kuppel darauf, die den Wind und somit die Schwingungen des Instrumentes verhindern sollte. Zusammen bauten wir zwei 3,2 Meter-Kuppeln und wenige Jahre später eine 5,5 Meter-Kuppel. Eine der 3,2m Kuppeln und die 5,5m Kuppel zieren heute die Sternwarte Peterberg des VAS e.V. (Verein der Amateurastronomen des Saarlandes), in dem ich Gründungsmitglied und sechs Jahre Vorstandsvorsitzender war.“

Wow, das sieht jetzt aber wirklich nach High Science aus und so gar nicht mehr nach Selberbau – alle Achtung!

Sternwarte Peterberg des VAS e.V.

Außenansicht der Sterwarte Peterberg

Nach einem Umzug wollte Herr Knerr das geliebte Hobby natürlich weiter betreiben. Eine neue Sternwarte wurde nötig und siehe da: Es ging zurück zu den Wurzeln, nämlich wieder zu einem Gartenhaus mit fahrbarem Dach. Aber warum?

„Die Sternwarte am neuen Hausstandort sollte wieder ein Gebäude mit abfahrbarem Dach werden. Die freie Sicht des Himmels hatte ich in der Kuppel vermisst. Weiterhin sollte für Rechner und Beobachter an kalten Tagen ein abgetrennter beheizter Raum zur Verfügung stehen, ohne jedoch durch die Abwärme eine Thermik zu erzeugen, die die Beobachtungen stören würde.“

Schaut man sich die Situation der Teleskope unter den bisherigen Kuppeln an, lässt sich gut nachvollziehen, dass der Blick in den Himmel doch ein recht beschränkter war:

Teleskope unter Kuppeln

Innenansicht der Sternwarte Peterberg

Ganz anders in der neuen Sternwarte: Wenn das Dach komplett zurück gefahren ist, hat das Teleskop rundum freien Blick auf den Himmel – vom Zenit bis hinunter zum Horizont.

Teleskopraum

Die Sternwarte wird geplant und aufgebaut

Dank der Fotos, die uns Herr Knerr zur Verfügung gestellt hat (herzlichen Dank!), können wir zeigen, wie die Sternwarte im Gartenhaus Schritt für Schritt entsteht. Für die Sternwarte kam natürlich nur eine Sonderanfertigung in Frage, die die GartenHaus GmbH für besondere Ansprüche abseits vom Standard anbietet. Herr Knerr hatte sehr genaue Vorstellungen:

„Ich suchte ein Gebäude mit einem Beobachtungsraum von 4 x 4 m und einem Büroraum von 2 x 4 m. Für das fahrbare Dach waren Stützen neben dem Gebäude mit Laufschienen erforderlich, die die 4 Meter des Daches tragen sollten. Der Steuerungsraum musste immer überdeckt bleiben. Zwischen Teleskop und Dach sollten maximal 10 cm Abstand bleiben, um die Außenwände so niedrig wie möglich zu halten. Ich wollte von der Horizontsicht nicht so viel zu verlieren: Der Planet Merkur z. B. kommt am Morgen- und Abendhimmel nur knapp über den Horizont. So manches Himmelsereignis wie Kometen, Kleinplaneten oder Finsternisse ebenfalls.“

Soweit der grobe Plan, dessen Details wir bei den einzelnen Bauphasen zeigen werden. Über den Zeitbedarf für den Aufbau schreibt der Bauherr:

„Der Zeitraum von der Anlieferung bis zur Fertigstellung zog sich über 1,5 Jahre hin. Die Gründe hierfür waren ein zu früher Wintereinbruch im Anlieferungsjahr, ein im darauffolgenden Jahr verregnetes Frühjahr, ein noch nicht fertig gestelltes Grundstück sowie wenig Zeit durch meinen Beruf.“

Los gehts! Der Bausatz für das Gartenhaus im Sonderformat wurde in zwei großen Packstücken angeliefert und am Bauplatz abgesetzt. Schon jetzt wirkt das Wetter nicht gerade baufreundlich:

Der Bausatz ist angeliefert

Das Plattenfundament hat Herr Knerr bereits vor der Anlieferung fertig gestellt, so dass der Regen ihm nichts mehr anhaben kann.

das Fundament

Ein Zelt soll die Hölzer vor dem Regen schützen, denn nun stehen erst einmal umfangreiche Streicharbeiten an.

das Regenschutzzelt

Es werde WEISS! Eine Arbeit, die in diesem Fall nicht der schönen Optik wegen nötig wird, sondern dem korrekten Funktionieren des Teleskops geschuldet ist:

„Das gesamte Holz wurde drei Mal gestrichen. Der farblosen Grundierung folgte eine weiße Sperrschicht, wiederum gefolgt von einem weißen Endanstrich. Weiß war erforderlich, um das Aufheizen des Gebäudes bei Sonneneinstrahlung so gering wie möglich zu halten. Eine Wärmeabstrahlung in der Nacht führt zu Luftturbulenzen, die ein Beobachten oder Fotografieren nahezu unmöglich machen. Jede Turbulenz wird im Teleskop vergrößert, was zum „Tanzen“ des beobachteten Sterns im Gesichtsfeld führt. Eine Fotografie würde dadurch unscharf. Diesen Effekt (Luftflimmern) sehen Sie z.B. im Sommer bei hohen Temperaturen über einer asphaltierten Straße.“

Da das Gartenhaus nicht gerade zu den kleinen Modellen gehört, sind ziemlich viele Hölzer zu streichen. Das 6 x 3 Meter große Zelt bietet immerhin Platz, um das gesamte Material regengeschützt unterzubringen.

Hölzer im Regenschutzzelt

Leider schützt das Zelt zwar vor Feuchtigkeit, doch kurz vor der Fertigstellung zerstört ein Sturm das Zelt. Ziemlich ärgerlich, doch sind Schwierigkeiten ja dazu da, überwunden zu werden!

Sturmschaden: zerstörtes Regenschutzzelt

Das Zelt konnte wieder aufgebaut und alle Streicharbeiten erfolgreich abgeschlossen werden. Strahlend weiß und übersichtlich sortiert warten die Blockbohlen nun auf den Start des eigentlichen Aufbaus.

weiß gestrichene Blockbohlen gestapelt

Hier liegen bereits die Basishölzer, auf denen die Wände des Gartenhauses aufgesetzt werden.

In der Mitte steht schon der Sockel für den Teleskopturm.

Die Basishölzer sind ausgelegt

 

Aufbau der Wände

Die beiden Räume der künftigen Sternwarte sind in diesem Stadium schon gut erkennbar.

Vorne der kleinere Vorraum, dahinter der große Teleskopraum, verbunden durch eine Zwischentür.

Gartenhausaubau Korpus

Auch ein ferngesteuertes Teleskop muss unter Kontrolle gehalten werden. Daher braucht es – neben der PC-Steuerung – auch ein Fenster zwischen Steuerungsraum und Teleskopraum.

Aufbau Innentür und Fenster

Die Balken für das aufschiebbare Dach tragen Laufrollen, auf denen sie in einer Laufschiene hin und her gleiten werden.

Tragebalken mit Laufrollen

Hier die Laufrollen in der Detailansicht:

Laufrollen im Detail

Die Konstruktion für das Schiebedach steht. Da sich einige Hölzer wegen der langen Lagerung etwas verzogen haben, kommen ein paar Schraubzwingen zum Einsatz.

der Korpus steht

Auf den Tragebalken verlaufen die Edelstahlschienen, in denen sich das Dach auf Rollen hin und her bewegen wird.

Edelstahllaufschienen

Das Dach ist montiert, die Gartenhaus-Sternwarte sieht schon richtig elegant aus.

Auch die Baustelle rundherum lichtet sich langsam.

das verschiebbare Dach

Im Innenraum verlaufen die Zahnstangen für den Dachantrieb, die noch hinter einer Zwischendecke verschwinden werden.

Zahnstangen für den Dachantrieb

Der Elektromotor für das verschiebbare Dach ist eingebaut, noch unverkleidet bzw. ohne Zwischendecke.

der Antrieb für das fahrbare Dach

Die Zwischendecke ist eingezogen, der Antrieb verkleidet.

Wer in diesem Raum am PC sitzt, wird zu jeder Zeit eine feste Decke über dem Kopf haben und die Schiebebewegung des Dachs nur über das Zwischenfenster sehen.

Antrieb im Vorraum verkleidet

Das Instrumentarium steht nun ebenfalls vor der Fertigstellung:

  • links im Bild der Teleskopturm,
  • rechts das Teleskop bei der Anlieferung.

Es brauche einen recht großen Kran, um es in den Teleskopraum zu hieven.

Die Gartenhaus Sternwarte ist fertig, die Baustelle aufgeräumt – nur das Gras muss noch ein bisschen mehr wachsen!

Im Video sehen Sie, wie sich das Dach der Sternwarte langsam öffnet (ohne Stativ gefilmt, deshalb ein bisschen wacklig).

Und hier schließt sich das Dach wieder:

Der Vorraum bzw. Beobachtungsraum ist mittlerweile zweckmäßig, aber auch gemütlich eingerichtet. Eine Uhr, Karten und Bilder zieren die weißen Wände. Durch das Fenster hat man einen guten Blick auf das Teleskop und kann vom Schreibtisch aus beobachten, ob es tatsächlich tut, was ihm per PC-Fernsteuerung angesagt wird.

Vorraum zur Überwachung des Teleskops

Weiße Wände und ein farblich naturbelassener Holzboden bilden die Bühne für das große Teleskop. Aufgrund der Fischaugen-Perspektive wirken die Bilder etwas verzerrt, doch dafür ist der Blickwinkel groß genug, um alles zu überschauen.

der Teleskopraum

Vom Eingang im Vorraum aus ist der Arbeitsraum mit Schreibtisch, Notebook und Sideboard gut zu überblicken, durch die Zwischentür gelangt man in den Teleskopraum.

Vorraum und Teleskopraum

Zum Schluss noch ein kurzes Video, das zeigt, wie das Teleskop ausfährt, nachdem das Dach zurück gefahren wurde:

Was für eine beeindruckende Anlage! Macht richtig Lust darauf, auch mal durch ein solches Teleskop zu schauen. Für uns alle, die wir keine Sternwarte im Gartenhaus haben, bleiben zum Glück die erstaunlichen Bilder und Entdeckungen, die mit solchen Instrumenten von engagierten Ethusiasten gemacht werden.

das Teleskop mit und ohne Schutz

Wir wünschen Herrn Knerr viele Jahre Freude mit der wundervollen Sternwarte und hoffentlich tolle Beobachtungen in den unendlichen Weiten des Weltraums!

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