Den Trend des Mini Hauses, auch Tiny House genannt, gibt es seit zirka einem Jahrzehnt. Die Mini Häuser sehen von außen aus wie z.B. süße Gartenhäuser, im Inneren überraschen sie oftmals mit heller, geräumiger und komfortabler Fläche. Wir verraten alle wichtigen Infos zu Mini Haus planen, Baugenehmigung und die anfallenden Kosten: So können auch Sie Ihr eigenes Tiny House selber bauen.

Was ist ein Minihaus?

Ein Tiny House ist ein kleines, oftmals, aber nicht immer auf Rädern gebautes Häuschen.

Eine fest definierte Größe gibt es nicht: So gibt es Mini Häuser mit 8 bis maximal 30 Quadratmetern. Doch selbst auf kleinster Fläche bietet ein Tiny House (fast) alles, was auch ein großes Haus bietet.

Die Menschen in Minihäusern entscheiden sich für ein vereinfachtes Leben, dafür nur mit den notwendigsten Dingen zu leben und nutzen die vorhandene Raumfläche bestmöglich effizient.

Ein Tiny House Beispiel ist der Bauwagen von Peter Lustig in der bekannten Kinderserie „Löwenzahn“.

Grundsätzliche Einrichtungselemente für ein Mini Haus sind:

  • Wohnraum,
  • separate Schrankwand,
  • kleine Kombüse,
  • Dusche
  • eine Kompost-Toilette.

Je nach persönlichem Geschmack und Anforderungen können diese Elemente ersetzt oder ergänzt werden.

Tiny House mobil

Viele Minihäuser zeichnen sich durch eine besondere Mobilität aus. Denn Mini Häuser auf Rädern lassen sich wie Wohnwagen hinter einem Wagen befestigen und so problemlos bewegen und an jeder x-beliebigen Position parken.

Vorausgesetzt natürlich, dass das Parken dort erlaubt ist.

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Wer gilt als Begründer des Tiny Houses?

Als Begründer des Tiny Houses gilt der US-Amerikaner Jay Shafer. Dieser wollte ein winziges Häuschen bauen, doch bekam er dafür vom Amt keine Genehmigung. Daraufhin baute er sein Haus auf einem Doppelachsanhänger.

Freunde und Familie waren so begeistert, dass Shafer in der Folgezeit Baupläne zum Nachbauen entwickelte. In Deutschland ist Hanspeter Brunner einer der Vorreiter für Mini Häuser.

Weiterentwicklung des Tiny Houses

Mittlerweile hat sich der anfängliche Trend des Tiny Houses als Wohnhaus weiterentwickelt.

Die kleinen Häuser werden nun immer öfter auch als Gästehaus, Arbeitsplatz und Kinderspielhaus im Garten genutzt.

Weitere Nutzungsmöglichkeiten sind denkbar.

Planung

Auch wenn die Tiny Houses kleiner sind als gewöhnliche Häuser, sollten sie dennoch genauso gründlich geplant werden. Denn eine frühzeitige und detaillierte Mini Haus Planung ist das A und O.

Minihaus selber bauen: Fähigkeiten einschätzen

Bevor Sie den Hammer in die Hand nehmen, sollten Sie objektiv beurteilen, ob Ihr handwerkliches Geschick für einen individuellen Selbstbau mit möglichen Sonderwünschen ausreicht. Denn wenn Sie erst beim halbfertig stehenden Haus bemerken, dass Sie der Aufgabe eigentlich nicht gewachsen sind, haben Sie bereits viel Zeit und vor allem Kosten verloren.

Für das Mini Haus selber bauen werden zwei Baumpodelle unterschieden:

  • Mini Häuser, die nach dem Baukastenprinzip gebaut werden,
  • Mini Häuser, die nach Bauplan gebaut werden.

Unser Tipp: Bei weniger Know-how bietet sich eher das Baukastenprinzip an. Wer bereits mehr Erfahrung hat, kann auf den Bauplan zurückgreifen.

Wer sein Tiny House nicht selber bauen will, kann Hilfe in Form von professionellen Mini Haus-Anbietern oder von ausgebildeten Zimmermännern in Anspruch nehmen.

Bauanleitungen meist nur auf Englisch erhältlich

Sollten Sie einen Bauplan für Ihr Tiny House kaufen wollen, sollten sie diese 3 Dinge beachten:

  1. Viele Pläne sind nur in englischer Sprache erhältlich.
  2. Prüfen Sie, ob sich die Ausführungen nur auf den Rohbau beschränken oder auch detailliert auf den Innenausbau eingegangen wird.
  3. Zudem sollte die Vorgehensweise im Bauplan im Detail beschrieben werden.

Lassen Sie die Finger von Bauplänen, in denen weder Material noch Werkzeug aufgelistet wird.

Unser Tipp: Oftmals können amerikanische Anleitungen nicht einfach so für Europa verwendet werden, da die Straßenvorschriften nicht übereinstimmen und ggf. auch die Fahrzeuganhänger anders konstruiert sind.

Baugenehmigung

Der Bau eines Hauses ist allgemein genehmigungspflichtig. Ob es nun im Boden verankert oder auf dem Flachdach des Nachbarn errichtet wird, in beiden Fällen greift das Baurecht.

Sie sollten vor Baubeginn also bei Ihrer zuständigen Baubehörde eine Bauerlaubnis einholen.

Ausnahme: Mini Häuser, die auf einem Anhänger errichtet sind, fallen nicht unter das Baurecht, sondern unter das Straßenverkehrsrecht. Denn sobald es auf einem Wagen steht, ist es keine bauliche Anlage mehr.

Bebauungsplan – was heißt das?

Abgesehen von einer Baugenehmigung ist zu klären, ob für Ihr Gebiet ein Bebauungsplan vorliegt. Dieser gibt Vorgaben, die beim Bau zu erfüllen sind. Sollte kein solcher Plan vorliegen, sind Sie gezwungen sich beim Bau nach der umliegenden Bebauung zu richten. Das bedeutet: Sollten zum Beispiel die umliegenden Häuser ein Satteldach besitzen, können Sie Ihr Minihaus nicht mit einem Flachdach versehen.

Sollten Sie das Grundstück auf dem Sie das Tiny House bauen wollen noch nicht besitzen, lohnt es sich vorab eine Bauvoranfrage zu stellen. Damit klären Sie, ob Sie Ihr Wunschhaus dort errichten dürfen und die Voranfrage kostet nur einen Bruchteil von dem was ein Bauantragsverfahren kostet.

Sollte die Voranfrage positiv ausfallen, müssen Sie im nächsten Schritt einen Bauantrag einreichen. Das dürfen Sie als Privatperson jedoch nicht, sondern muss durch einen berechtigen Ingenieur erfolgen.

Dieser klärt auch auf, welche weiteren Unterlagen, z.B.

  • Lageplan,
  • Grundriss,
  • Zeichnung vom geplanten Minihaus u.s.w.

benötigt werden.

Unser Tipp: Auf einem Campingplatz, der Dauerstellplätze anbietet, können Sie in Ihrem mobilen Mini Haus auch ohne Baugenehmigung leben.

Tiny House im Kleingarten?

Mini Häuser in Kleingartensiedlungen unterliegen nicht dem staatlichen Baurecht, sondern der jeweiligen Vereinssatzung. Sollte die Gemeinschaft den Bau genehmigen, muss kein zusätzlicher Bauantrag gestellt werden.

Tiny House Kosten

Die zu erwartenden Kosten für ein Minihaus setzen sich in der Regel zusammen aus:

  • Grundstückskosten (Kaufpreis, Makler, Notar, Grundbucheintragung, Vermessung, Grunderwerbsteuer)
  • Grundstückserschließung (Anschluss an das Straßennetz, Herstellung der Bebaubarkeit des Grundes, Anschluss an die Kanalisation, Wasser- und Stromversorgung, Telefonanschluss)
  • Baukonstruktion (Herstellung des Bauwerks)
  • Versorgungstechnik (Sanitäranlagen, Elektroinstallation, Heizung-/Lüftungsanlagen)
  • Außenanlagen (Anlage der Zuwege, Stellplätze, Einfriedungen, Bepflanzung von Flächen)
  • Innenausstattung (je nach persönlichem Geschmack)
  • Baunebenkosten (Baugenehmigung, Grunderwerbsteuer, Grundstücksvermessung, Architektenhonorar, Projektleitung, Bereitstellungs- und Bauzinsen, Baustrom/-wasser, Bauwesenversicherung, Bauherrenhaftpflichtversicherung)

Je nach individuellem Mini Haus (Typ, Material und Größe) können die Kosten für die aufgelisteten Faktoren unterschiedlich hoch ausfallen.

Die Herstellungskosten lassen sich dabei durch eine geschickte Planung merklich senken.

  • Entscheiden Sie vorab, wieviel Quadratmeter Nutzfläche Sie brauchen. Fertigen Sie zur besseren Visualisierung eine Skizze an, um möglichen Raumüberschuss frühzeitig zu erkennen und umzuplanen. Bei einem Mini Haus geht es schließlich darum auf kleinstem Raum möglichst effizient zu wohnen.
  • Vermeiden Sie Flächen wie Flure oder Vorräume, die keinem Zweck dienen.

  • Beim Dach sollten Sie auf einfache Formen zurückgreifen, z.B. Flach-, Sattel- und Pultdach ohne zusätzliches Fenster.
  • Am energieeffizientesten ist ein Minihaus in Würfelform. Dieses können Sie ggf. aufstocken, da ein Bau in die Höhe kostengünstiger ist als in die Breite.
  • Verzichten Sie auf aufwändige Bauelemente wie Erker, Mauervorsprünge und Balkons und beschränken Sie sich bei Ihrem Tiny House auf eine einfache Form. Das erleichtert Ihnen den Aufbau und verkürzt die Bauzeit.
  • Verwenden Sie Fenster mit stets gleicher Größe.
  • Mini Häuser ohne Trennwände kosten nicht nur weniger, sondern besitzen auch eine offenere, freundlichere Atmosphäre. Wollen Sie den Essraum trotzdem vom Schlafraum trennen, greifen Sie dafür lieber auf Regale (mehr Stauraum!) oder sonstige Trennobjekte zurück.
  • Bauen Sie das Bad bzw. das WC angrenzend zur Küche. So verlegen Sie alle wichtigen sanitären Leitungen mit kurzen Wegen. Setzen Sie lieber auf gerade als verwinkelte Rohre. Wasserleitungen sollten, wenn möglich nicht in der Außenwand geplant werden; das spart Ihnen im Nachhinein Isolierungskosten ist jedoch nicht immer umsetzbar.
  • Planen Sie zur besseren Übersicht von Anfang an zusätzlichen Stauraum ein. Siehe die Treppenschubladen auf dem unteren Bild.

Lesen Sie auch die spannende Geschichte von Tommy Schmidt, der in ein Gartenhaus ohne Küche und ohne Bad gezogen ist.

Tiny House Inneneinrichtung

Aufgrund der räumlichen Enge im Inneren des Minihauses, sollten Sie auf reine Deko-Gegenstände größtenteils verzichten und lieber praktikable Möbelstücke verwenden.

Kreative Ideen zum Platzgewinn im Minihaus:

  • Ein Tisch, der bei Nichtgebrauch durch Hochklappen an der Wand befestigt wird und somit zusätzlicher Bewegungsraum entsteht.
  • Schmale Schubladen unter Einbauschränken oder Regalen, die nicht bündig enden.
  • Improvisierte Treppenstufen an der Wand ohne Geländer
  • Dachgiebel wird oftmals als „Schlafzimmer“ genutzt – aufblasbare Betten können tagsüber Platz machen für einen Arbeitsplatz.

Tiny House einrichten

In unserem Onlineshop finden Sie eine große Anzahl an Gartenhäusern, die Sie als Tiny Houses verwenden können. Da ist sicherlich auch das richtige Haus für Sie dabei.

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Artikelbild: ©iStock/asbe