Sie wollen, dass Ihr frisch geerntetes Gemüse den Winter gut übersteht? Dann können Sie eine Erdmiete anlegen. Selbstversorgerin Hannelore Zech erklärt, wie einfach das „Einmieten“ ist und gibt Tipps zum richtigen Einlagern.

Erdmiete – die Alternative zum Erdkeller

Die Erntezeit ist vorbei, der Winter steht vor der Tür. Wie Sie Ihre Gartenschätze in einem Erdkeller einlagern, haben wir Ihnen bereits gezeigt. Was aber, wenn dafür im eigenen Garten kein Platz ist?

In diesem Fall bietet sich die Erdmiete an. Mit diesem althergebrachten Trick können Sie Ihre Kartoffeln im eigenen Garten auch auf kleinstem Raum einlagern. Und der Aufbau ist an einem einzigen Nachmittag geschehen. Kein Wunder, dass auch Hannelore Zech, Selbstversorgerin mit eigenem Blog, fleißige „Erdmieterin“ ist. Ihre Tipps zum Einlagern und Tricks gegen Mausbefall hat Sie uns im Interview verraten.

Mehr über Hannelore Zechs Leben als Selbstversorgerin und Leiterin der Selbstversorger-Akademie, erfahren Sie übrigens in unserem Beitrag „Vom Gartenliebhaber zum Selbstversorger – im Gespräch mit Selbstversorgerin Hannelore Zech“.

Erdmiete, was ist das überhaupt?

Eine Erdmiete ist, einfach gesagt, eine 30-40cm tiefe Grube in Ihrem Garten, in der Sie Ihr Gemüse sicher über den Winter einlagern können. Ähnlich wie der Erdkeller, stammt sie aus Zeiten, in denen die Menschen ihre Nahrungsmittel nicht einfach im Kühlschrank einlagern konnten. Doch im Gegensatz zu einem Erdkeller ist das Anlegen einer Erdmiete wesentlich günstiger. Denn das Gemüse kann zum Beispiel in einer einfachen Tonne gelagert werden, wie Hannelore Zech anmerkt:

„Das Tolle an einer Erdmiete ist einfach, dass der Bau enorm geringe Kosten verursacht im Gegensatz zu einem Erdkeller. Ich kann mit einer Metalltonne, einer Waschmaschinentrommel oder mit festem Gitter und Schalungsbrettern eine Erdmiete anlegen. Der einzig große Kraftaufwand liegt im Graben eines passenden Loches an einem passenden Platz.“

Was Sie bei der Wahl des passenden Platzes und dem Anlegen der Erdmiete beachten sollen, erklären wir Ihnen in folgenden Abschnitten.

Erdmiete anlegen in 3 Schritten

im Garten ein Loch ausheben

Wer eine Erdmiete anlegen möchte, muss erst einmal graben.

Mit einem freien Samstagnachmittag und ein wenig Zubehör aus dem Baumarkt können Sie gleich loslegen. Zum Anlegen der Erdmiete benötigen Sie:

  • Einen Spaten
  • Einen Sack weißen Sand
  • Frisches Stroh
  • Ein Holzbrett zur Abdeckung
  • Engmaschigen Drahtzaun zum Schutz vor Wühlmäusen und Kaninchen

Der richtige Ort für die Erdmiete

Zuerst sollten Sie sich in Ihrem Garten den geeignetsten Platz für die Erdmiete aussuchen.

Hannelore Zech kennt dafür den passenden Ort: „Ein passender Platz wäre nicht zu weit vom Haus entfernt (Vorteil: kurze Wege) und so gelegen, dass die Grube nicht mit Wasser volllaufen kann.“

Deshalb bietet sich für die Auswahl des Standorts auch ein überdachter Platz an. „Entweder am Hausrand, Garagenrand oder aber im Gewächshaus. So muss das Stroh nicht abgedeckt werden, das Einnisten von Mäuschen in den Strohballen wird dadurch vermindert und zusätzlich läuft kein Wasser bei Starkregen oder Schneeschmelze in die Grube.

1. Eine Grube anlegen

Jetzt geht’s an Buddeln. Die Tiefe sollte zwischen 25 cm und 40 cm betragen. Für einen 4-Personen-Haushalt planen Sie am besten ungefähr eine Breite von 90 cm und eine Länge von 2-3 Metern ein.

Für die Form des Lochs gilt: „Je nach Erntemenge sollte entweder eine Tonne Platz darin haben oder es sollte eine rechteckige Form für das Einlagern von Kisten sein.“

Überprüfen Sie beim Graben den Grundwasserstand. Seien Sie auf der Hut vor Kaninchen oder Wühlmäusen. Kleiden Sie also zuerst die Grube mit dem Drahtzaun aus. Das wühlmausfeste Gitter ist besser geeignet als ein geschlossener Boden, denn „wichtig für das Anlegen einer Erdmiete ist, dass die Erdfeuchte ans Gemüse kommt. Der Boden sollte also nicht geschlossen, sondern mit einem wühlmausfesten Gitter ausgelegt sein.“

2. Auslegen und Einmieten

Legen Sie im nächsten Schritt den Boden der entstandenen Grube mit 5 cm Sand aus, den Sie anschließend festklopfen. Dies dient als eine natürliche Feuchtigkeitsdrainage.

Die Seiten der Erdmiete können Sie mit einer Schicht Stroh isolieren, dies sorgt für eine gute Luftzirkulation. Für die Ränder bietet sich aber auch festeres Material an: „Die Ränder können entweder mit Schalungsbrettern oder mit Bauziegel, Ytongsteinen oder Betonziegeln gemauert oder gestapelt werden.“

Um Mäuse vom Eindringen in Ihre Erdmiete abzuhalten, hat Hannelore Zech noch einen Geheimtipp parat: „Bevor das Gemüse eingelagert wird, statten Sie die Erdmiete am besten noch mit trockenem Wahlnußlaub aus. Denn Mäuse mögen den Geruch von Walnußlaub überhaupt nicht!“

Jetzt fehlen noch die Kisten oder Tonnen mit Gemüse. Als Behältnis bieten sich „Gemüsekunststoff – oder noch besser, Holzkisten (keine luftdichten!) an. Hölzerne Weinkisten eignen sich zum Beispiel hervorragend.“

Auch eine Waschmaschinentrommel kann als Erdmietelager dienen, wie das Beispiel von Hannelore Zech beweist.

eine Waschmaschinentrommel für die Erdmiete

Nicht nur zum Wäschewaschen gut zu gebrauchen – Hannelores Waschmaschinentrommel dient auch als Erdmiete.

Die unterschiedlichen Gemüsearten schichten Sie darin in getrennten Lagen ein. Dazu legen Sie immer eine Lage Gemüse in die Erdmiete und bedecken diese mit Sand. Achten Sie dabei darauf, dass sich die unterschiedlichen Schichten nicht berühren.

3. Abdecken

Zum Schluss bedecken Sie die Erdmiete noch mit Walnußlaub und danach mit einem Holzbrett. Das garantiert eine gute Luftzirkulation. Diesen ganzen Aufbau bedecken Sie anschließend mit einer Schicht an Erde oder Strohballen.

Hannelore Zech empfiehlt ebenfalls die Erdmiete noch mit einer Plastikplane zu überdecken, um zu verhindern, dass zu viel Feuchtigkeit eindringt.

Das Tolle ist: Die Erdmiete funktioniert wie ein natürlicher Kühlschrank. Wenn Ihnen nach Gemüse ist, können Sie einfach die Abdeckung entfernen, das Gemüse ausgraben, abwaschen und frisch in den Topf werfen.

Wie richtig lagern?

Beim Einlagern sollten Sie einige Faustregeln beachten, damit das Gemüse frisch bleibt.

Das Gemüse darf vor dem Einlagern nicht gewaschen werden, dabei würde zu viel Feuchtigkeit in den Sand dringen. Benutzen Sie lieber eine Bürste um es von der Erde zu säubern. Zu viel Säubern ist jedoch gar nicht notwendig, denn „die natürliche Erde schützt und bewahrt zusätzlich vor Austrocknung.“

Achtung bei schadhaftem Gemüse

Darüber hinaus sollten Sie das Gemüse vor dem Einmieten von überzähligen Blättern befreien. Ganz wichtig ist außerdem: Legen Sie kein schadhaftes Gemüse mit in die Erdmiete, denn „eine faulige Kartoffel oder verletzte Rübe kann alles kaputt machen“.

Frostempfindlich oder nicht?

Achten Sie auch darauf, wie frostempfindlich das eingelagerte Gemüse ist. So sind Kartoffeln im Gegensatz zu Rüben zum Beispiel besonders empfindlich: „Ist die Erdmiete, gerade bei Kartoffeln, nicht genügend gedämmt, bzw. werden keine Strohballen über das Loch gestapelt und die Kartoffeln bekommen Frost ab, werden sie ungenießbar und süß! Die Rüben sind weniger frostempfindlich.“

Unterschiedliche Mieten für Obst und Gemüse

Obst und Gemüse sollten Sie in unterschiedlichen Mieten einlagern. Besonders wichtig ist das bei Äpfeln, denn „das Gas der Äpfel treibt jedes weitere Gemüse zum Austreiben und Blühen. Eingelagerter Kohlrabi könnte zu blühen beginnen und wird dadurch nicht mehr genießbar und holzig.“

Eine Miete im Keller

Sollten Sie in Ihrem Garten keinen geeigneten Platz finden, können Sie sich eine Miete auch im Keller anlegen. Stellen Sie dazu einfach eine Kiste in Ihrem Keller auf, die Sie Schicht für Schicht mit Gemüse und Sand befüllen. Auch das Gartenhaus können Sie als Vorratskammer im Winter nutzen, wie unser Artikel beweist.

Wenn Sie noch weitere Möglichkeiten erfahren wollen, wie Sie Vorräte am besten einlagern, lesen Sie doch unsere Artikel Welcher Erdkeller darf’s denn sein? und Lagerbedingungen im Erdkeller – Tipps und Tricks.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg beim Anlegen Ihrer Erdmiete und bedanken uns bei Hannelore Zech für das Interview!

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Bilder: Bild 1: ©iStock.com/eag1e, Bild 2: ©iStock.com/ Eerik, Bild 3: ©Hannelore Zech