Sauna ist nicht gleich Sauna. Über die Jahrtausende, die der Mensch schon sauniert, hat er eine Vielzahl an Sauna-Arten und zugehörigen Bräuchen entwickelt. Wir nehmen Sie mit auf eine Reise durch die Saunawelt. Begleiten Sie uns durch die deutsche, mittel- und südeuropäische, asiatische und orientalische Saunalandschaft. Lesen Sie hier von großen, kleinen und sogar mobilen Saunen und klassischem wie außergewöhnlichem Saunieren.

Warum die Sauna überhaupt Sauna heißt

Der Begriff Sauna kommt aus dem Finnischen. Bei den Finnen heißt “savu“ so viel wie „Rauch“.

Dass der Begriff Sauna zum Inbegriff für einen Ort zum Schwitzen (auch Schwitzstube oder Schwitzbad genannt) wurde, wird verschieden begründet: So heißt es einerseits, dass finnische Bauern einst in beheizbaren Erdwohnungen lebten, die von weitem nur an den daraus aufsteigenden Rauchsäulen zu erkennen waren. Andererseits ist die Rede von Erd- oder Schneegruben, die die Finnen aushoben, um darin ein Feuer zu entfachten und um schließlich darin zu schwitzen.

Nackt oder nicht nackt in die Sauna: Einblicke in die Saunawelt

In Deutschland wird aus hygienischen und gesundheitlichen Gründen Großteils nackt sauniert. Der Saunierende geht nur mit einem Handtuch bekleidet in die Sauna, wo er es ablegt und es ihm als Unterlage dient. Wer sich nicht nackt zeigen möchte, lässt das Handtuch umgewickelt, braucht dann aber ein zweites Handtuch, um es unter die Füße zu legen.

Auch die Skandinavier, allen voran die Saunaerfin(n)der, Schweden, Norweger, Esten, Letten, Litauer, Österreicher, Belgier, Luxembourger, deutschsprachigen Schweizer, Südtiroler, Polen, Russen, Slowenen, Krotaen und Niederländer sind in der Sauna meist nackig. Wobei es in Finnland, Japan oder Korea, anders als in Deutschland, üblich ist, dass Frauen und Männer getrennt saunieren. Bei den Finnen geht nur der engste Familienkreis gemeinsam in die Sauna, mitunter auch sehr gute Freunde. Und: Die Finnen setzen und legen sich ohne ein Tuch drunter direkt auf die Saunabänke.

Am nackigsten machen sich übrigens die Slowenen beim Saunieren, dort betritt man die Sauna sowohl unbekleidet als auch unbeschuht.

In Australien, den USA, Großbritannien, Frankreich und vielen südeuropäischen sowie orientalischen Ländern würden Sie nackt in der Sauna für Aufruhr sorgen. Ebenso in Brasilien. Dort trägt man üblicherweise Badebekleidung oder bedeckt zumindest seine Scham mit Hand- oder Saunatüchern. In Asien und im Orient kennt man gemischte Saunen so gut wie gar nicht.

Deutsche Saunakultur

Mehr als 30 Millionen Deutsche saunieren regelmäßig, ihnen stünden laut dem deutschen Saunabund etwa 10.000 Saunen zur Verfügung, die öffentlich (etwa 2.400) oder privat (etwa 500) geführt würden. Der Großteil deutscher Saunen befände sich demnach bei Hotels und Pensionen (etwa 5.100) sowie bei Sportstätten und in Fitnessstudios (etwa 3.800).

Reden oder Schweigen in der Sauna

Während in deutschen Saunen eher wortlos geschwitzt wird, herrscht in Skandinavien eine rege Gesprächskultur. Das geht soweit, dass auch Businessgespräche in der Sauna geführt und dort Geschäfte abgeschlossen werden. Selbst das finnische Parlamentsgebäude hat ein Schwimmbad und eine Sauna.

Saunaraum oder Saunabad

Gemäß den international erarbeiteten und anerkannten Definitionen wird zwischen Saunaraum und Saunabad wie folgt unterschieden.

„Der Saunaraum ist ein Raum aus Holz mit aufsteigenden Stufenbänken und mit dem durch einen typischerweise steingefüllten Saunaofen festgelegten Raumklima von etwa 80 bis 105 Grad Celsius circa 100 Zentimeter über der obersten Bank, sowie einer geringen Luftfeuchtigkeit, welche durch Aufgüsse kurzfristig erhöht werden kann.“

„Das Saunabad ist ein gesundheitsförderndes und entspannendes Heißluftbad, in dem Überwärmung und Abkühlung miteinander abwechseln. Dabei wird in einem Raum aus Holz, mit einem typischen Klima von etwa 80 bis 105 Grad Celsius circa 100 Zentimeter über der obersten Bank, sowie einer geringen, durch Aufgüsse kurzfristig erhöhten Luftfeuchte, der ganze Körper mehrmalig erwärmt und anschließend durch Außenluft und kaltes Wasser abgekühlt.“

Bauformen von Saunen

Eine Sauna lässt sich auf vielfältige Weise errichten.

In der Regel kommt Holz als Baustoff für Saunen zum Einsatz, denn der nachwachsende, natürliche Rohstoff kann die Feuchtigkeit des Sauna-Inneren aufnehmen und auch wieder abgeben. So wird Schimmelbildung vorgebeugt, die bei einer völligen luftdichten Isolierung entstünde.

Gängig sind die folgenden Bauformen:

  • massive Sauna: Sogenannte Massivsaunen werden wie klassische Blockbohlenhäuser aus massiven Holzbohlen gezimmert. Hitzedichte Wandkonstruktionen gelingen, indem die einzelnen Bohlen dafür Lage für Lage zusammengefügt und -gepresst werden. Ausfräsungen (Nut und Feder) dienen der stabilen Verzahnung, wobei anzumerken ist, dass sich die Bohlen mit gewissem Spielraum bewegen können.
  • Elementsauna: Typisch für Elementsaunen ist ihr mehrlagiger Aufbau. Er besteht aus einer raumseitigen Holzschalung (1. Lage; zwei bis vier Zentimeter dick), einer hitzebeständigen Dampfsperre (2. Lage; in der Regel aus reinem Aluminium, einer hitzebeständigen und ausgasungsfreien Isolierschicht (3. Lage; meist aus Stein- oder Glaswolle) sowie einer Lage Holz (4. Lage; Außenlage). Eine solche Elementsauna wird aus vorgefertigten Elementen (Modulen) zusammengebaut. Sie lässt sich leicht montieren und ist bei einem Umzug auch leicht demontierbar. Die modulare Elementsauna ist oft in Privathäusern zu finden, wo sie entweder von Handwerkern oder den Hausherren im Do-it-yourself(DIY)-Verfahren errichtet wird, unter anderem in Kellern, Dachstühlen, Gartenhäusern oder freistehend als Saunafass (siehe unsere Video-Bauanleitung) oder Saunahaus in Gärten.
  • mobile Saunen: Eine ganze Reihe von Saunen ist inzwischen mobilisiert. Das heißt, dass die Saunen auf Pkw, Pkw-Anhängern oder anderen fahrbaren Unterteilen installiert und zum gewünschten Saunastandort kutschiert werden.
  • Schwitzzelt: Ein Schwitzzelt nennt man ein Zelt, das über einer Feuerstelle aufgeschlagen wird, so dass darunter ein Schwitzraum entsteht.

Deutsches Sauna-Brauchtum

Ein Besuch in einer deutschen Sauna beginnt unter der Dusche, nach der sich der Saunagänger gründlich abtrocknet, denn vor dem ersten Saunagang soll die Haut möglichst trocken sein, um das Schwitzen nicht hinauszuzögern.

Aufguss-Sauna vs. Trockensauna

Handelt es sich um eine sogenannte Aufguss-Sauna herrscht darin eine relativ niedrige Luftfeuchtigkeit von zwei bis fünf Prozent bei 100 Grad Celsius an der Decke. Ins Aufgusswasser kommen oft ätherische Öle. Der Wasserdampf wird häufig mit einem sogenannten Wacheltuch gleichmäßig im Raum verteilt.

Das kennt man in Finnland nicht, die finnische Sauna enthält eher verscheiden temperierte Luftschichten, so dass auf den unteren Bänken eher kühlere Luft herrscht, die auch für Kinder und Untrainierte gut geeignet ist.

In großen Saunaanstalten gibt es neben der eben beschriebenen Aufguss-Sauna noch die sogenannte Trockensauna (die auch Sahara-Sauna genannt wird):

In ihr herrschen höhere Temperaturen, geringere Luftfeuchtigkeit und es gibt dort keinen Aufguss.

Der Saunagang

Nach den 8 bis 15 Minuten Schwitzen in der Saunakabine folgt üblicherweise eine kurze Abkühlphase an der frischen Luft. Dabei nimmt die Lunge gut Sauerstoff auf und die Atemwege kühlen rasch(er) ab.

Wichtig: Das „Luftbad“ sollte vor dem Kaltduschen genommen werden.

Anschließend wird der Schweiß kalt abgeduscht, dem Schwallguss kann ein kaltes Bad im Tauchbecken (auch Kneippbecken genannt, im nahe gelegenen Gewässer oder im Schnee (alternativ: Abrieb mit gestoßenem Eis)) folgen. Dann geht’s in den Ruheraum (alternativ: ins Tepidarium: ein Wärmeraum mit beheizten Wänden und Boden), wo ein individuell unterschiedlich starkes Nachschwitzen angesagt ist.

Üblicherweise wird diese Prozedur mit mindestens viertelstündigen Pausen zwei- bis dreimal wiederholt. Sie sollten wissen, dass mehr als drei Saunagänge in der Regel keinen höheren Nutzen haben, Sie jedoch stark ermüden können.

So saunt die Welt

Wir machen jetzt eine kleine Rundreise durch die bekanntesten Saunalandschaften dieser Welt, die wir bislang noch nicht besucht haben.

Saunieren im Hamam (Türkische Sauna, orientalische Sauna)

Im Orient, also in der Türkei, auf der arabischen Halbinsel und in Nordafrika, besuchen Saunaliebhaber den Hamam.

Er ist fester Bestandteil der islamischen Kultur und dient Orientalen als Treffpunkt, um sich auszutauschen. In der Umkleide/dem Aufenthalts-/Ruheraum werden die Kleider abgelegt und gegen ein Saunatuch getauscht.

Traditionell ist der Hamam ein großer, runder Kuppelraum mit kleinen Abteilungen am Rand, wo Saunierende oft Zugang zu fließendem Wasser haben, um sich ungestört und unbeobachtet vor und nach dem Saunieren zu waschen oder zu duschen. Der Kuppelraum selbst ist der Dampfraum, wo zunächst geschwitzt wird. Oft ist hier eine ringförmige Bank zum Sitzen / Liegen. Der Bademeister geht reihum, um die durchgeschwitzten Körper anschließend mit einem Schaumbad, einer Massage und/oder einem Peeling zu verwöhnen. Anschließend begibt man sich in den Aufenthaltsraum, um dort zu plaudern, zu essen und zu trinken (heißer, sehr süßer Pefferminz- oder Schwarztee sind üblich).

Saunieren in der russischen Banja

Das russische Wort „Banja“ meint das russische Dampfbad oder das russische Badehaus. Mit einem Holzofen wird die Banja auf für ein Dampfbad ungewöhnlich hohe 100 Grad Celsius aufgeheizt und mit starken Aufgüssen für Dampf gesorgt. Drei Räume sind typisch: Dampfkammer, Waschraum und Ruheraum. Während des Schwitzens ist es üblich sich mit gekühlten oder geeisten Birkenzweigen abzuklopfen, um sich Kühlung zu verschaffen und die Durchblutung anzuregen. Die russische Banja ist gesellschaftlicher Treffpunkt, um sich austauschen und Probleme zu besprechen.

Saunieren im irischen Dampfbad

Die Iren haben sich die Dampfbadkultur der alten Römer zu Eigen gemacht: Sie saunieren in mit Keramik ausgekleideten Schwitzräumen bei milden Temperaturen und mit Aufgüssen.

Saunieren in japanischen Badehäusern

Die Japaner gehen nicht in eine Sauna, sondern ins Badehaus. Ihre Dampfbäder nennen sie „Sento“. Es ist mit Holz verkleidet und beherbergt unterschiedlich temperierte Badebecken, wovon eins sehr heiß ist. Bevor der Japaner dort nach Geschlechtern getrennt nackt hinein steigt, muss er sich gründlich gereinigt haben.

Saunieren in Island

Die Isländer baden in ihren naturgegebenen „hot pots“, den meist geothermal erwärmten Badestätten. Für die Wassertemperatur sorgen die heißen Quellen, die über die ganze Insel verteilt sind. Das Quellwasser wird dank der vulkanischen Aktivität unterirdisch erhitzt.

Frau in heißer Quelle

Wir hoffen, Sie sind mit unserer Reise durch die Saunawelt neugierig geworden, die eine oder andere Saunaform auszuprobieren. Oder haben Sie gar Lust bekommen, sich eine Sauna in den Garten zu stellen? Dann finden Sie zusätzliche Inspiration auch auf unserem Pinterest-Kanal. Dort haben wir eine Vielzahl an schönen Boards rund um Sauna, Haus und Garten zusammengestellt.

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Titelbild: ©iStock/petejau
Artikelbilder: ©iStock/dislentev