Sie möchten selbst eine Wurmkiste bauen? Wissen aber nicht, wie eine Wurmkiste genau funktioniert, was in die Kiste darf und wie Sie sie richtig aufbauen? Wir geben Antworten auf diese Fragen und liefern 10 Tipps für das eigene Kompostieren mit Würmern.

Definition: Was ist eine Wurmkiste?

Hobbygärtner und Gartenfans können mit Hilfe einer Wurmkiste einen großen Teil ihrer Küchenabfälle zu organischem Düngemittel verarbeiten lassen. Die Kiste eignet sich dabei für alle Haushalte – ob mit oder ohne Garten. Das Beste: Sie müssen dafür gar nicht viel tun! Den Großteil der Arbeit verrichten spezielle Kompostwürmer. Am besten eignet sich dafür der Rote Kompostwurm (Eisenia fetida).

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Ablauf: Wie funktioniert eine Wurmkiste?

Vereinfacht ausgedrückt: Die Würmer fressen die Erde und die organischen Abfälle in der Kiste und scheiden diese als wertvolle Humuskrümel wieder aus. Die Krümel enthalten viele nützliche Mikroorganismen. Je nachdem für was für eine Kistenkonstruktion Sie sich entscheiden und wie feucht der Standort Ihrer Wurmkiste ist, kann auch so genannter Wurmtee entstehen. Dieser eignet sich nach Verdünnung (1:10) hervorragend als Flüssigdünger und sollte schnellstmöglich verwendet werden.

Doch Vorsicht: Überfüttern Sie Ihre Würmer bloß nicht, denn dann werden nicht alle Abfälle verwertet und es kommt zu Schimmel und Geruchsentwicklung. Doch auch zu geringes Futter kann ein Problem sein, denn dann vermehren sich die Kompostwürmer nicht oder im schlimmsten Fall sinkt ihre Anzahl sogar. Informieren Sie sich also vorab, wie groß der Wurmkompost für Ihren Anspruch sein muss bzw. wie viele Abfälle für Ihre Wurmkiste wöchentlich anfallen müssen.

Aufstellungsort: Wie und wo fühlen sich Kompostwürmer besonders wohl?

Gewächshaus Gartenhaus

Das Gartenhaus Max oder das Gewächshaus Calypso bieten sich ganz wunderbar als Aufstellungsort für Ihre Wurmkiste an.

Kompostwürmer sind leicht zufriedenstellende Tiere. Sie fühlen sich in Temperaturen von 10 bis 25 Grad Celsius wohl und liefern dabei ihre bestmögliche Arbeit ab. Auch beim Standort sind Ihre Würmer nicht allzu wählerisch: im Gartenhaus, auf dem Balkon, auf dem Dachbaden, im Gewächshaus, im Keller, auch gegen die Familienküche hätten sie nichts einzuwenden. (Ihre Familie aber vielleicht schon.) Was sie aber nicht mögen ist Frost. Deshalb sollten Sie Ihre Wurmkiste über den Winter unbedingt ins (Garten)Haus holen.

Aufbau: Wie sollte eine Wurmkiste aufgebaut sein?

Bei der Recherche sind uns zwei verschiedene Typen der Wurmkiste begegnet: Ein- und Mehrboxsysteme. Am Ende des Artikels geben wir Ihnen 10 Tipps, wie Ihnen das Kompostieren mit Würmern auf jeden Fall gelingt.

Option 1: Einboxsysteme

Beim Einboxsystem handelt es sich um eine Doppelkammer. Das Innere der Box ist durch ein Drahtnetz in zwei Teile geteilt. Während eine Hälfte für den Kompostierungsvorgang genutzt wird, bleibt die andere, abgesehen von einer Sandschicht, leer.

Ist die erste Kammer dann von den Würmern mit fertigem Humus gefüllt worden, sollten Sie die organischen Abfälle ausschließlich in die zweite Kammer füllen: Die Würmer wandern dorthin, wo sie etwas zu fressen finden und Sie können den Humus entnehmen. Dies ist zirka nach 8 Wochen nach Fütterungsbeginn möglich. Dann beginnt der Vorgang auf der anderen Boxseite erneut.

Option 2: Mehrboxsysteme

Das Mehrboxsystem besteht in der Regel aus 4 Holz- oder Kunststoffboxen, die ineinander gestapelt werden. Dieses System eignet sich für einen 4-Personen-Haushalt bzw. 2 bis 3 Kilo Abfälle pro Woche.

Bohren Sie in den Boden der obersten 3 Boxen Löcher, so dass die Würmer bei Fütterungsänderungen in die darüber liegende Box kriechen können und der Wurmtee runtersacken kann.

Zum einfachen Abfließen des Tees sollten Sie in der unteren Box einen Abflusshenkel anbringen. Diese Vorrichtung rettet Ihre Kompostwürmer gegebenenfalls vor dem Ertrinken. Der Humus der untersten Box kann zirka nach 3 Monaten entnommen werden. Anschließend können Sie die Box neu befüllen und oben aufsetzen.

Aufbau: Welches „Nistmaterial“ sollte in den Wurmkompost?

 Sie merken schon: Eine Wurmkiste zu bauen ist gar nicht so kompliziert. Alles was Sie benötigen sind, abgesehen von einer Kiste und den Würmern, schmackhaftes Futter und geeignetes Nistmaterial für die Würmer. Als gutes Nistmaterial eignen sich:

  • Alte Zeitungen und unbedrucktes Papiere, die Sie in Fetzen oder Streifen reißen. Zudem mögen Kompostwürmer besonders gerne Wellpappe, Eierkartons und ähnliche Verpackungen aus Pappmaché. Verzichten sollten Sie auf Toilettenpapier und buntes Hochglanzpapier.
  • Weichen Sie das Papier bzw. die Pappe in Wasser ein. Am besten eignet sich dafür chlorfreies Wasser. Sollten Sie nur Leitungswasser haben: Befüllen Sie den Eimer einfach einen Tag vorher; über Nacht sollte sich ein Großteil des Chlors verflüchtigt haben. Nach dem Abtropfen können Sie Ihr Nistmaterial in die Kiste geben.
  • Geben Sie zusätzlich ein paar Handvoll Garten- oder Walderde hinzu, damit sich Ihre Würmer richtig wohlfühlen. Verwenden Sie dafür keine sterilisierte Erde aus der Tüte.

Grundregel: Ihr Nistmaterial sollte vom Boden eine Schicht von 10 Zentimetern füllen.

Ihre Kompostwürmer fühlen sich richtig wohl, wenn es in der Kiste dunkel und feuchtwarm ist. Der ideale Feuchtigkeitsgehalt Ihres Nistmaterials liegt bei 80 bis 90 Prozent. Test: Nehmen Sie eine Handvoll Material und drücken Sie es leicht zusammen. Wenn es sich wie ein ausgedrückter Schwamm anfühlt, weist Ihr Substrat eine gute Feuchtigkeit auf. Eine feuchte Umgebung erlaubt es den Kompostwürmern schneller und komfortabler zu jedem Platz in der Behausung zu gelangen.

Ist Ihr Kompost zu trocken, sollten Sie abgestandenes Wasser in kleinen Mengen hinzufügen, zum Beispiel mittels einer Sprühflasche. Ist er hingegen zu feucht, sollten Sie eine weitere Wasserzufuhr unbedingt unterbinden und Ihre Abfälle vor Zugabe in die Kiste trocknen.

Zwei Anzeichen, dass in Ihrer Wurmkiste alles richtig läuft, sind ein waldbodenähnlicher Geruch Ihrer Komposterde und eine hohe Vermehrung der Würmer. Vermehren sie sich dann mit der Zeit zu sehr, können Sie einen Teil problemlos in den Gartenkompost umsiedeln.

Fütterung: Das schmeckt Kompostwürmern in der Wurmkiste

Grundsätzlich gilt: Würmer verspeisen zirka 50 Prozent ihres Körpergewichts. Füttern Sie Ihre Würmer mit organischen Abfällen, die Sie oberflächlich in die vorhandene Komposterde geben. Wichtig: Die Würmer essen keine frischen Produkte, sondern nur organische Produkte, die sich bereits in der Zersetzung befinden.

Mit Vermehrung der Würmer können Sie die Grammzahl proportional erhöhen, denn je mehr Würmer sich in Ihrer Box befinden, desto mehr können diese verwerten. Nach etwa 4 Wochen haben sich Ihre Würmer eingewöhnt und die Arbeit in der Kiste läuft auf Hochtouren.

Besonders schmackhaft finden Ihre Würmer:

  • Obst
  • Gemüse (besonders Kartoffelschalen)
  • zerkleinerte Eierschalen
  • Kaffeesatz in Filtertüten
  • Teeblätter und -beutel
  • verblühte Schnitt- und Topfblumen

Auf folgende Dinge verzichten Ihre Würmer aber sehr gern:

  • Zwiebeln und Zitrusfrüchte
  • gespritzte Lebensmittel
  • starke Gewürze
  • Fleisch, Fisch, Milchprodukte
  • Öle und Fette
  • Knochen
  • Vibrationen (führen wegen Regen- bzw. Gewitterverdacht zur Wurmflucht)
  • Licht und Überfütterung

Achtung: Schneiden Sie Ihre Abfälle vor der Fütterung so klein wie möglich, um den Kompostierungsvorgang zu beschleunigen und um auftretenden Schimmel und schlechten Geruch in Ihrer Box zu unterdrücken.

Verwertung: Wofür kann Wurmhumus genutzt werden? Warum ist er so gut?

Wurmhumus ist voller Nährstoffe, fördert das Wurzelwachstum und stärkt die Widerstandskraft Ihrer Pflanzen gegen Krankheiten und Schädlinge. Er ist als Schicht von 2 bis 10 Zentimeter ein optimaler Dünger für Blumentöpfe, Balkonkästen, Beete und Rabatte. Auch Ihre Zimmerpflanzen freuen sich, wenn Sie beim Umtopfen 20 bis 25 Prozent Wurmhumus unter die eigentliche Blumenerde mischen.

Im Gegensatz zum Kunstdünger sind die Pflanzennährstoffe im Wurmhumus an Ton-Humus-Komplexe gebunden. Dadurch wird eine Überdüngung vermieden, so dass die Pflanzen nicht aufschießen oder verbrennen. Auch eine Auswaschung der Pflanzennährstoffe in Gewässer und im Grundwasser findet nicht statt. Die Ton-Humus-Komplexe erhöhen zudem die Pufferfähigkeiten des Bodens gegen sauren Regen.

DIY: 10 Tipps für Ihre eigene Wurmkiste

Eine Wurmkiste an sich macht nur wenig Arbeit und kann mit 5 bis 10 Minuten Aufwand pro Tag gut in Schuss gehalten werden. Für Einsteiger ist eine selbstgebaute Box optimal, da Sie so mit geringem Aufwand und wenig Geld austesten können, ob diese Art der Kompostierung etwas für Sie ist.

Diese 10 Tipps sollte Ihnen eine erste Hilfestellung für Ihre Wurmkiste sein:

DIY Wurmkiste – Tipp 1: Nutzen Sie Holz- oder Plastikboxen, die Sie im Möbelhaus oder Baumarkt bekommen. Achten Sie beim Mehrboxensystem darauf, dass Ihre Kisten möglichst gut ineinander zu stecken sind. Je mehr Spaltzwischenraum zwischen Ihren Boxen besteht, desto mehr Fluchtmöglichkeit bieten Sie Ihren Würmern.

DIY Wurmkiste – Tipp 2: Die Fluchtgefahr Ihrer Würmer ist in den ersten zwei/drei Wochen am größten. Nachdem sich Ihre Würmer eingelebt haben, bleiben Sie gerne in dem von Ihnen gemachten Nest – denn außerhalb der Kiste ist es ihnen nämlich viel zu hell und viel zu unbequem.

DIY Wurmkiste – Tipp 3:  Eine Startpopulation von 500 Würmern ist für Einsteiger optimal. Diese freuen sich anfänglich über 200 Gramm kleingeschnittene, organische Abfälle pro Woche. Schwankungen sind aufgrund von Temperatur, Angebot und Stimmung möglich.

DIY Wurmkiste – Tipp 4: In Temperaturen zwischen 10 und 25 Grad leben Ihre Würmer am besten. Frost mögen sie hingegen gar nicht.

DIY Wurmkiste – Tipp 5: (Nicht nur) Kinder können bei einer Wurmkiste mit eingebautem Fenster den Kompostierungsvorgang und das Leben der Würmer genauer unter die Lupe nehmen. Das ist nicht nur spannend, sondern auch lehrreich.

DIY Wurmkiste – Tipp 6: Nutzen Sie eine Hanfmatte als Nistmaterial-Auflage. Sie ist zwar nicht dringend notwendig und wird auch irgendwann von den Würmern aufgefressen, doch sie beschleunigt den Kompostierungsvorgang und schützt Ihre Würmer vor äußeren Einflüssen wie Licht.

DIY Wurmkiste – Tipp 7
: Die Würmer haben zwar individuelle Ruhephasen, aber sie schlafen nicht – in Ihrer Kiste wird also rund um die Uhr gearbeitet. Lassen Sie sie ungestört schuften – Ablenkungen mögen Sie nicht.

DIY Wurmkiste – Tipp 8: Sollten Sie in den Urlaub fahren, reicht es völlig aus, wenn Sie die Wurmkiste halbseitig mit einem Stapel aus im (chlorfreien) Wasser eingeweichten Tageszeitungen bedecken. Bis zu 8 Wochen sind Ihre Würmer damit glücklich und geschützt.

DIY Wurmkiste – Tipp 9: Achten Sie bei der Humus-Entnahme unbedingt darauf, dass Sie möglichst wenig Würmer und Wurmbrut mit entnehmen. So vermeiden Sie mögliche Schäden an Ihrer Wurmpopulation.

DIY Wurmkiste – Tipp 10: Ist Ihre Wurmkiste gepflegt, nicht überfüttert und immer gut abgedeckt, sollten Sie zudem keine Probleme mit Gestank oder (Frucht-)Fliegen bekommen.

Unser Tipp: Mit einem ausgepolstertem Deckel können Sie Ihre Wurmkiste auch als bequemen Sitzhocker in Ihrem Gartenhaus oder auf Ihrer Terrasse nutzen.

Detaillierte Bauanleitungen für eine eigene Wurmkiste finden Sie auf den folgenden Seiten:

Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei der eigenen Umsetzung Ihrer Wurmkiste und viel Wurmhumus!

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Artikelbild: ©iStock/Grahamphoto23