Angesichts stetig steigender Stromkosten und der Tatsache, dass herkömmlicher Strom äußerst ineffizient produziert wird, erwägen auch Verbraucher ohne eigenes Dach über dem Kopf die Eigenproduktion von umweltfreundlichem Strom aus Sonnenenergie – mit einer Solarstrom-Anlage (Photovoltaik) für Balkon und Terrasse. Wir erklären Ihnen hier alles Wissenswerte zu Technik, Montage, Anschluss und Wirtschaftlichkeit einer solchen Balkon Solaranlage. Denn – und das sei hier schon mal vorweg geschrieben – gerade wurde eine wichtige Norm zum Anschluss der Balkon-Solarstrom-Anlage neu geregelt, die deren Nutzung in Deutschland erheblich vereinfacht.

Das bringt Ihnen eine Solarstrom-Anlage

Eine Solarstromanlage ist eine Solaranlage, mit der Sie die Strahlungsenergie der Sonne direkt in elektrische Energie (Elektrizität, Strom) umwandeln können. Die Anlage macht sich dabei zu Nutze, dass bestimmte Materialien dazu fähig sind, Licht direkt in Strom zu wandeln. Dem liegt der sogenannte photovoltaische Effekt zugrunde, also das Freisetzen positiver und negativer Ladungsträger in einem Festkörper, auf den Licht strahlt. Eine typische Solarstrom-Anlage besteht aus sogenannten Solarmodulen, die wiederum aus einer Vielzahl von Solarzellen (photovoltaischen Zellen) zusammengesetzt sind, die miteinander verschaltet wurden. Diese sind aus speziellen Halbleitermaterialien gemacht, am häufigsten kommt das traditionelle Grundmaterial Silizium zum Einsatz. Es gibt heute jedoch unzählige Solarzellen, die sich in Material (Grundstoff), Bauweise und Funktion und daraus resultierend in ihrer Leistung teils erheblich unterscheiden.

Wichtig: Auch Solarwärme-Anlagen, die aus Sonnenstrahlung nutzbare Wärme (Solarthermie) erzeugen, werden Solaranlage genannt. Damit es nicht zu Verwechslungen zwischen Photovoltaik- und Solarthermie-Anlagen kommt, sollten Sie deshalb die Anlage auch immer beim richtigen Namen (Terminus technicus) nennen. Das Thema Solarthermie-Anlage für Balkon und Terrasse folgt demnächst hier im Magazin, versprochen!

So funktioniert eine Solarstrom-Anlage

Fällt Sonnenlicht auf die Solarzellen, produzieren sie Strom. Der Solarstrom wird über entsprechende Gleichstromleitungen zu einem Wechselrichter geführt. Dieser hat die Aufgabe, den solaren Gleichstrom in haushaltsüblichen Wechselstrom umzuwandeln.

Das können Sie mit Ihrem Solarstrom machen

Ihren selbst produzierten Strom können Sie

  • direkt und sofort selbst verbrauchen (Eigenverbrauch),
  • zum späteren Eigenverbrauch in einer entsprechenden Batterie zwischenlagern
  • oder, vorausgesetzt, Ihre Solarstrom-Anlage ist netzgekoppelt, über einen zugehörigen Stromzähler ins öffentliche Stromnetz einspeisen, wofür Sie als deren Betreiber eine sogenannte Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erhalten. Dazu müssen Sie jedoch wissen, dass die EEG-Einspeisevergütung gesetzlich geregelt abnimmt.

Solaranalage Terrasse

Warum sich Eigenproduktion und Eigenverbrauch von Solarstrom für Sie lohnen

Weil die EEG-Einspeisevergütung abnimmt und die Preise für Haushaltsstrom stetig steigen, wird es für Sie immer lohnender, Ihren selbst erzeugten Solarstrom auch selbst zu verbrauchen: Zum Beispiel zum Betrieb Ihrer Haustechnik, Ihrer großen und kleinen Haushaltsgeräte sowie Ihrer Computer, Laptops, Tablets, TV- und Multimedia-Geräte und Smartphones. Selbst Stromheizungen machen mit eigens erzeugtem Solarstrom ökonomisch und ökologisch Sinn. Und auch Ihr gegebenenfalls vorhandenes E-Bike oder E-Auto lässt sich mit Solarstrom umweltfreundlich auftanken. Dank geeigneter Solarstromspeicher können Sie den tagsüber erzeugten Solarstrom auch später am Abend, in der Nacht oder am Morgen noch nutzen, also dann, wenn die meisten Berufstätigen daheim sind und ihre Waschmaschine, Spüle oder ihr Trockner, ihre Unterhaltungselektronik (abends) oder Kaffeemaschine, Backröhre und Toaster (morgens) laufen. Das bedeutet, dass die Speicher Ihre regenerative Stromversorgung stabilisieren.

Eigenproduktion und -verbrauch von Solarstrom lohnen sich für Sie, weil Sie damit Stromkosten einsparen. Zum Vergleich: Dank der in den vergangenen Jahren spürbar gesunkenen Preise für Photovoltaik-Anlagen kostet die Erzeugung einer Kilowattstunde Solarstrom heute nur noch etwa zehn Cent – Sie sparen damit also ungefähr zwei Drittel der Kosten, die Sie für eine Kilowattstunde Strom mit Steuern und Abgaben bezahlen müssen, die Sie aus dem öffentlichen Netz, sprich: der Steckdose in Ihrem Haushalt, beziehen.

Wohnzimmer ökologisch Strom

Eine Balkon-Solarstrom-Anlage ist eine kleine Solarstrom-Anlage

Eine Balkon Solaranlage ist eine Mini-Ausgabe einer Solarstrom-Anlage, wie Sie sie aufs/ins Hausdach, an die Fassade, aufs Dach Ihres Carports oder auf eine geeignete Freifläche installieren können. Praktisch: Der Wechselrichter zum Umwandeln des Gleichstroms in Wechselstrom ist bei den kleinen Anlagen direkt integriert.

Balkon Solaranlagen sind eine Alternative für Mieter

Der große Vorteil einer derart kleinen Solarstrom-Anlage ist der: Sie können Sie auch dann betreiben, wenn das Dach über Ihrem Kopf nicht Ihr eigenes ist, sondern Sie zur Miete wohnen. Denn die Mini Solaranlage passt zum Beispiel auf einen Balkon oder eine Terrasse. Je nach Modell und Ausführung lassen sich die Mini-Solarstrom-Anlagen über die Brüstung oder an die Hauswand hängen oder frei aufstellen. Es gibt bereits Balkon-Solaranlagen, die Sie direkt als Brüstung verbauen können. Und wenn Sie mal umziehen, dann zieht die Balkon Solaranlage mit Ihnen um.

Abzugrenzen sind die fest installierten Balkon Solaranlagen von mobilen Anlagen, die Sie zum flexiblen Gebrauch unterwegs mit sich tragen können, um allzeit Strom zur Verfügung zu haben.

Genehmigung für Balkon Solaranlage vom Vermieter einholen

Um sich keinen Ärger mit ihrem Vermieter einzufangen, sollten Sie als Mieter diesen unbedingt über Ihr Vorhaben, eine Balkon Solaranlage zu installieren, vorab informieren und dessen Erlaubnis einholen. Der Vermieter kann ihr Vorhaben ablehnen, zum Beispiel, weil die Solarmodule die einheitliche Optik der Hausfassade oder die Befestigungen dafür die Hauswand, mitunter auch deren Dämmschicht, zerstören würden.

Solarzelle Balkon

Gängige Bezeichnungen für kleine Solarstrom-Anlagen

Zur besseren Unterscheidung zwischen Großen und Klein sind für Balkon-Solarstrom-Anlagen auch die folgenden Bezeichnungen handelsüblich:

  • kleine Solaranlage / kleine Photovoltaik-Anlage / kleine PV-Anlage,
  • Mini-Solaranlage / Mini-Photovoltaik-Anlage / Mini-PV-Anlage,
  • tragbare Solaranlage / tragbare Photovoltaik-Anlage / tragbare PV-Anlage,
  • mobile Solaranlage / mobile Photovoltaik-Anlage / mobile PV-Anlage,
  • Solaranlage für die Steckdose / Photovoltaik-Anlage für die Steckdose / PV-Anlage für die Steckdose,
  • Plug-in-Solaranlage / Plug-in-Photovoltaik-Anlage / Plug-in-PV-Anlage,
  • Plug-and-Play-Solaranlage / Plug-and-Play-Photovoltaik-Anlage / Plug-and-Play-PV-Anlage
  • Stecker-Solaranlage / Stecker-Photovoltaik-Anlage / Stecker-PV-Anlage
  • Balkonkraftwerk
  • Guerillia-PV

Solarzelle Fenster Hauswand

Das bringen Balkon-Solarstrom-Anlagen an Leistung

Weil die Balkon-Solaranlage weniger Solarzellen als ihre großen Verwandten hat, in der Regel ein bis vier Module, leistet sie auch weniger. Sie können damit rechnen, dass eine Balkon-Solaranlage mit nur einem Solarmodul, die auch Kleinst-Solaranlage genannt wird, Ihnen etwa den Strom liefert, den Ihre Geschirrspülmaschine braucht, wenn Sie sie alle zwei Tage anschalten. Die Rede ist hier also von 150 bis 200 Watt Maximalleistung – eine Wattzahl, wie sie ein durchschnittlicher Haushalt für den Betrieb von Kühlschrank, Telefon, Router & Co. sowie den Stand-by von TV & Co. verbraucht (sogenannte Grundlast), wenn kein Bewohner daheim ist. Etwas größere Mini-Anlagen mit zwei und mehr Solarmodulen liefern Ihnen mehr Watt Leistung. Die Verbraucherzentrale beziffert den durchschnittlichen Ertrag auf etwa 70 bis 85 Kilowattstunden pro 100 Watt Nennleistung: Eine 500-Watt-Anlage erzeugt also etwa 350 bis 425 Kilowattstunden im Jahr.

Die Leistung der Mini-Solarstrom-Anlagen wird jedoch nicht nur von der Zahl der Module bestimmt: Es ist die Menge der Sonnenstrahlen, die auf die Solarzellen auftrifft, die deren Solarertrag ausmacht. Der hängt von mehreren Faktoren ab, darunter die Ausrichtung der Anlage gen Sonne. Wird die Einstrahlungsmenge von Schatten werfenden Bäumen oder Nachbargebäuden gemindert (sogenannte Verschattung), sinkt auch der Ertrag der Anlage. Für Balkon- und/oder Terrassen-Anlagen gilt, dass sie buchstäblich von Haus aus oft eher verschattet werden als eine Anlage hoch oben auf dem Dach. Denn hier sind häufig auch Sichtschutz– oder Sonnenschutzvorrichtungen als den Solarertrag mindernde Schattenwerfer installiert.

Solarzelle Geländer Balkon

So rechnet sich eine Balkon Solaranlage

Mit sinkenden Erträgen sinkt auch die Wirtschaftlichkeit der kleinen Anlagen, die – gemessen an ihrer Leistung – oft teurer als große Anlagen sind. Es gibt Hersteller, die die Amortisationszeit ihrer Mini-Solarstrom-Anlagen auf sieben, acht Jahre beziffern, wobei sie ihrer Rechnung Höchsterträge zugrunde legen, die tatsächlich nicht überall zu ernten sind.

So schließen Sie eine Balkon Solaranlage an

Ein weiterer wichtiger Unterschied von den kleinen und großen Anlagen ist der: Die Balkon-Solarstrom-Anlage können Sie direkt über eine herkömmliche Steckdose mit dem Haushaltsstromnetz verbinden und so den selbst erzeugten Solarstrom dort einspeisen. Es sind demnach sogenannte Plug-in-Anlagen.

Neuregelung der Norm holt deutsche Betreiber von Balkon-Solarstrom-Anlagen aus juristischer Grauzone

Als Betreiber einer Balkon Solaranlage bewegen Sie sich in Deutschland – anders als in der Schweiz, in Österreich oder Portugal, wo der Betrieb von Balkon-Solarstrom-Anlagen schon länger unkompliziert machbar ist – (noch) in einer juristischen Grauzone: Denn die Anlagen verstoßen (noch) gegen eine (technisch überholte) Norm des VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V.): Gemäß der Norm VDE 0100-551 dürfen Sie Solarstrom-Anlagen nicht an den Haushaltsstromkreis anschließen.

Das Verbot basiert darauf, dass die haushaltsüblichen Sicherungen den eingespeisten Strom weder erkennen noch ordnungsgemäß auf diesen reagieren könnten. Daher könne es nach dem Einstecken der Erzeugungsanlage zur Überlastung von Stromkreisen kommen, was Brände nach sich ziehen könne. So kommentierte der VDE seine Norm bislang.

Dem widersprachen Experten schon lange. So hatten die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS), Greenpeace Energy und das Fraunhofer ISE die Sicherheit moderner Mini-Solaranlagen wiederholt mit Gutachten belegt und die Energiegenossenschaft hatte laut Presseberichten zudem am Landgericht Hamburg gegen den Netzbetreiber Stromnetz Hamburg geklagt, weil dieser ihr die Nutzung eines modernen steckbaren Solarmoduls untersagt hatte.

Ende Oktober 2017 nun wurde ein Normierungsverfahren beim VDE und der DKE abgeschlossen, der Deutschen Kommission Elektrotechnik, das die Sicherheitsbestimmungen für elektrotechnische Geräte erarbeitet. Mit der Veröffentlichung der Nationalen Vornorm DIN VDE 0100-551-1 sei es Ihnen künftig erlaubt, Ihre steckbare Mini-Solarstromanlage mit modernem Wechselrichter zur privaten Nutzung an normale Haushaltsstromkreise anzuschließen. Der VDE gab an, dass die Vornorm DIN VDE V 0100-551-1 auch in die europäische und internationale Normung eingebracht werde. Mit Inkrafttreten der Norm sei 2019 zu rechnen.

Männer bringen Solarzelle auf Carport an

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Das Thema Solarenergie rücken wir auch in diesen Magazin-Beiträgen in den Mittelpunkt:

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